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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Dr.  Karl  Otto.

Wahrscheinlich  wühlte  er,  wie  Quadratus,  den  Beruf  eines  Evangelisten. ­
  Als  solcher  war  er  an  eine  bestimmte  Gemeinde  nicht  gebunden ­
  ,  sondern  verkündigte  das  Evangelium  wo  sich  ihm  eine
Gelegenheit  darbot.  Bei  dieser  Verkündigung  zeigte  er  sich,  Heiden
wie  Juden  gegenüber,  gewissenhaft  und  mutliig  f).  „Wer  die
Wahrheit  nicht  verkündigt,  obschon  er  sie  verkündigen  kann,  verfällt
dem  göttlichen  Gerichte.  Ich  verkündige  sie  sonder  Menschenfurcht” ­
  2 ).  So  finden  wir  ihn  in  Ephesus,  der  Hauptstadt  des
proeonsularischen  Asiens,  wo  er  in  einer  Halle  den  Tryphon  und
dessen  Freunde  für  den  christlichen  Glauben  zu  gewinnen  suchte;
so  finden  wir  ihn  zweimal  während  längerer  Zeit  in  der  Weltstadt
Rom,  wo  er  in  seiner  Wohnung  den  ihn  Aufsuchenden  die  Heilswahrheit ­
  verkündigte  3 ).  Gerade  in  den  christlichen  Hauptgemeinden ­
  des  Morgen-  und  Abendlandes  tritt  er  auf.  Demnach  sind
seine  Berichte  über  kirchliche  Verhältnisse  der  damaligen  Zeit  von
höchster  Bedeutung.
Aber  Justinus  war  zugleich  ein  Apologet  des  Christenthums;
er  nahm  dasselbe  in  Schutz,  gegen  die  ihm  damals  entgegentretenden
zwei  feindlichen  Elemente:  das  Judenthum  und  das  Heidenthum.
Die  Juden  erhoben  sich  wider  die  Christen  in  Wort  und  That;  sie
verfluchten  und  verläumdeten  dieselben,  ja  sie  übten,  wenn  die  Umstände ­
  wie  unter  Bar-Cochba  es  zuliessen,  sogar  Gewalt  gegen  dieselben ­
  4 ).  Justinus,  aus  Palästina  stammend  und  darum  mit  dem
Judenthume  näher  betraut,  zeigte  im  mündlichen  Verkehre,  so  oft
sich  ihm  eine  Gelegenheit  darbot,  den  Juden  das  Thörichte  ihres
Benehmens  gegen  die  Christen,  und  hob  zu  diesem  Behufe  die  Unterschiede ­
  des  alten  und  neuen  Bundes  bestimmt  hervor.  Diesen  apologetischen ­
  Eifer  rühmt  der  Jude  Tryphon  im  Dialoge  5 ).  Mehr
standen  die  Heiden  den  Christen  feindlich  gegenüber:  die  Staatsmänner, ­
  weil  das  Christenthum  den  Titel  der  Verjährung  nicht  bean-’)
  Vgl.  Apol.  I.  c.  3.  Dial.  c.  Tr.  cc.  38.  58.
a )  Dial.  c.  Tr.  cc.  82.  120.
3 )  L.  c.  c.  1  (Eus.  IV.  c.  18);  Actt.  martyr.  S.  Just.  c.  3  (Apol.  I.  c.  26  und
II.  c.  3).
4 )  Apol.  I.  c.  31.  Dial.  c.  Tr.  cc.  16.  17.
5 )  C.  50:  "Eoixas  ptot  ex  nrpoarptiJ/EWj  npo?  rcoXkovs  trepi  rrävrcov
rÄw  ?vjtoo[jievwv  '/E^ovEvai  xa:  5t«  roöro  Irot'ptcoj  eye'.'j  ÄK'jxpivecräca  7rpöc
jravra  S  av  eKepur^äy;.
            
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