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Prot*. Dr. Karl Otto.
sölinung durch sein Blut nachgewiesen, endlich die Christen als das
wahre geistige Israel und das Volk Gottes dargestellt. Der Hauptzweck,
welchen Justinus durch seine erste Apologie erreichen will,
als nach Hadrian’s Tode Verfolgungen ausgebrochen waren, ist: es
möge yon den römischen Machthabern nicht zugelassen werden, dass
die Christen als Christen verfolgt würden. Dieser Gedanke zieht
sich durch die ganze Schrift hin. Der Apologet weist zu jenem
Zwecke nach: es sei mit dem Begriffe eines Christen der eines
Übelthäters nicht verbunden, vielmehr beruhe ihre Lehre auf einem
guten Grunde, und ihr Cultus fördere zu allem Guten. Am Schlüsse
ruft er aus: „Haltet ihr unsere Sache für wahr, so achtet sie; wo
nicht, so verachtet sie. Aber tödtet uns nicht als Übelthäter.
Zwar könnten wir auf Grund des Hadrian’schen Rescriptes von euch
verlangen, dass ihr bei vorkommenden Anklagen uns nicht als
Christen, sondern nur als eines wirklichen Verbrechens Überwiesene
bestrafet; doch wir thun dies nicht, vielmehr sind wir von der Gerechtigkeit
unserer Bitte überzeugt, und darum haben wir diese
Vertheidigungsrede abgefasst. Wir fügen die Abschrift von dem
Rescripte des Hadrianus hei, damit ihr euch auch darin von der
Wahrheit unserer Behauptung überzeugen möget” >). Im Eingänge
der zweiten Apologie schildert Justinus die bedrängte Lage der
Christen, welche der Willkür heidnischer Richter preisgegeben seien;
zum Belege erzählt er die Martergeschichte mehrerer Christen, die
in Rom wegen ihres Glaubens unlängst gelitten. Solchen Reden
pflegten die Heiden Hohn entgegenzusetzen. „Warum beklagt ihr
euch, wenn ihr getödtet werdet, und tödtet euch nicht selbst, um
bald zu eurem Gotte zu gelangen?” „Oder warum lässt euch euer
Gott, wenn er so mächtig ist, ohne Hülfe und von den Widersachern
tödten?” Dieser nachtheilige Hohn musste zurückgewiesen werden.
Justinus suchte daher beide Einwürfe der Heiden zu entkräften:
den ersteren kurz, den anderen ausführlich, indem er dabei hingeleitet
wird auf Erörterungen über die Weltschöpfung, die Dämonen, den
Sohn Gottes, das ewige Gericht. Zuletzt bittet er um die officielle
Bekanntmachung dieser Schutzschrift, damit die Leute, welche nur
aus Unkenntniss der guten Sache thörichte Meinungen in Betreff der
) Dann folgt das Rescript, dessen (latein.) Original ich zuerst in meiner Ausgabe
mitgetheilt habe: Corp. Apoll. Vol. I, p. 163.