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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prot*.  Dr.  Karl  Otto.

sölinung  durch  sein  Blut  nachgewiesen,  endlich  die  Christen  als  das
wahre  geistige  Israel  und  das  Volk  Gottes  dargestellt.  Der  Hauptzweck, ­
  welchen  Justinus  durch  seine  erste  Apologie  erreichen  will,
als  nach  Hadrian’s  Tode  Verfolgungen  ausgebrochen  waren,  ist:  es
möge  yon  den  römischen  Machthabern  nicht  zugelassen  werden,  dass
die  Christen  als  Christen  verfolgt  würden.  Dieser  Gedanke  zieht
sich  durch  die  ganze  Schrift  hin.  Der  Apologet  weist  zu  jenem
Zwecke  nach:  es  sei  mit  dem  Begriffe  eines  Christen  der  eines
Übelthäters  nicht  verbunden,  vielmehr  beruhe  ihre  Lehre  auf  einem
guten  Grunde,  und  ihr  Cultus  fördere  zu  allem  Guten.  Am  Schlüsse
ruft  er  aus:  „Haltet  ihr  unsere  Sache  für  wahr,  so  achtet  sie;  wo
nicht,  so  verachtet  sie.  Aber  tödtet  uns  nicht  als  Übelthäter.
Zwar  könnten  wir  auf  Grund  des  Hadrian’schen  Rescriptes  von  euch
verlangen,  dass  ihr  bei  vorkommenden  Anklagen  uns  nicht  als
Christen,  sondern  nur  als  eines  wirklichen  Verbrechens  Überwiesene
bestrafet;  doch  wir  thun  dies  nicht,  vielmehr  sind  wir  von  der  Gerechtigkeit ­
  unserer  Bitte  überzeugt,  und  darum  haben  wir  diese
Vertheidigungsrede  abgefasst.  Wir  fügen  die  Abschrift  von  dem
Rescripte  des  Hadrianus  hei,  damit  ihr  euch  auch  darin  von  der
Wahrheit  unserer  Behauptung  überzeugen  möget”  >).  Im  Eingänge
der  zweiten  Apologie  schildert  Justinus  die  bedrängte  Lage  der
Christen,  welche  der  Willkür  heidnischer  Richter  preisgegeben  seien;
zum  Belege  erzählt  er  die  Martergeschichte  mehrerer  Christen,  die
in  Rom  wegen  ihres  Glaubens  unlängst  gelitten.  Solchen  Reden
pflegten  die  Heiden  Hohn  entgegenzusetzen.  „Warum  beklagt  ihr
euch,  wenn  ihr  getödtet  werdet,  und  tödtet  euch  nicht  selbst,  um
bald  zu  eurem  Gotte  zu  gelangen?”  „Oder  warum  lässt  euch  euer
Gott,  wenn  er  so  mächtig  ist,  ohne  Hülfe  und  von  den  Widersachern
tödten?”  Dieser  nachtheilige  Hohn  musste  zurückgewiesen  werden.
Justinus  suchte  daher  beide  Einwürfe  der  Heiden  zu  entkräften:
den  ersteren  kurz,  den  anderen  ausführlich,  indem  er  dabei  hingeleitet
wird  auf  Erörterungen  über  die  Weltschöpfung,  die  Dämonen,  den
Sohn  Gottes,  das  ewige  Gericht.  Zuletzt  bittet  er  um  die  officielle
Bekanntmachung  dieser  Schutzschrift,  damit  die  Leute,  welche  nur
aus  Unkenntniss  der  guten  Sache  thörichte  Meinungen  in  Betreff  der

)  Dann  folgt  das  Rescript,  dessen  (latein.)  Original  ich  zuerst  in  meiner  Ausgabe ­
  mitgetheilt  habe:  Corp.  Apoll.  Vol.  I,  p.  163.
            
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