Zur Charakteristik des heil. Justinus etc.
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Sprüchen könne, zum Abfall von der Religion des Staates verlocke, in der
Stille gefährlichen Tendenzen huldige; die Priester, weil es ihren
Tempeln die Opfergaben entzog: die philosophisch Gebildeten, weil es
ihre Weisheit als Thorheit betrachtete; die ungebildete Menge, weil es
den altväterlichen Cultus aufgegeben und darum als die Ursache von
Landesnöthen galt. Justinus, der auf Reisen die Leiden der Seinen
sah, suchte zu vermitteln so oft er konnte. So überführte er, wie
er selbst *) berichtet, den Christenfeind Crescens, einen Cyniker,
als er mit ihm in Rom zusammentraf, seines unwürdigen Benehmens.
Inmitten der Christen selber war ein gefährliches Element zu bekämpfen
: die häretische Gnosis. Diese, aus orientalisch-heidnischem
Geiste hervorgegangen, offenbarte sich in verschiedenen Formen und
hatte damals eine drohende Macht erreicht; sie richtete sich mehr
oder minder gegen das historische Christenthum, verflüchtigte die
christlichen Grundlehren, fand die änoluTpuais in der Befreiung
des Geistes, zersetzte die Kirche in Parteien. Diese christlichen
Häretiker nahmen die Thätigkeit Justin’s ganz besonders in Anspruch:
gegen sie trat er als Polemiker auf. Selbst mit Häuptern derselben,
wie mit Marcion, kam er während seines römischen Aufenthaltes in
persönliche Berührung ~).
Doch nicht nur im mündlichen Verkehre wirkte Justinus apologetisch-polemisch
für die christliche Sache, sondern auch durch
Schriften. Es richtete an die Juden bald nach dem Jahre 139 den
Dialog mit Tryphon, und für die Heiden waren, von zweifelhaften
Schriften abgesehen, berechnet die beiden Apologien, welche gewiss
nicht bloss rhetorische Übungsschriften sein sollten: die grössere im
Jahre 139 an Antoninus Pius und seine Adoptivsöhne, die kleinere
zwischen den Jahren 161 und 166 an Marcus Aurelius und seinen
Mitregenten. Er verfasste endlich ein — leider verlorenes •— Werk
„wider alle Häresien,” wovon ein Theil sich im Besonderen gegen
den antijudaistischen Gnostiker Marcion wendete. Hier ein Wort
über das apologetische Verfahren, welches er einschlägt. Im Dialoge
mit Tryphon werden zuerst die Vorurtheile der Juden gegen das
Christenthum widerlegt, dann die Lehren des letzteren von der
Gottheit und der Menschwerdung Jesu Christi sowie der Ver-*)
Apol. II. c. 3.
2 ) Apol. I. cc. 26. 58.