Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Heber  Kaufs  Widerlegung  dos  Idealismus  von  Berkeley.

749

denn  einen  Raum  an  sich  (ausser  dom  Geist)  kannte  er  so
wenig  wie  Kant.
Aber  auch  gegen  den  wörtlichen  Ausdruck,  den  Dieser
von  ihm  gebraucht,  hätte  sich  Berkeley  verwahrt:  er  habe  die
Dinge  im  Raum  für  blosse  Einbildungen  erklärt.  Dies
hat  er  so  wenig,  dass  ihm  die  ,Dinge  im  Raum'',  d.  h.  die  als
räumlich  vor  gestellten  Dinge,  obgleich  blosse  Vorstellungen,
für  die  realen  Dinge  selbst  gelten.  Für  ,Einbildungen 4
würde  Berkeley  nur  Dinge,  die  in  einem  Raume  wären,  der
nicht  blosse  Vorstellung  im  Geist,  sondern  an  sich  existirte,
erklärt  haben;  solche  erklärt  aber  auch  Kant  dafür,  denn
seine  ,Dinge  an  sich 4  sind  weder  im  Raum  noch  in  der  Zeit.
Der  Schein  der  Nichtübereinstimmung  zwischen  Berkeley
und  Kant  wird  durch  die  vom  Letzteren  nicht  vermiedene
Zweideutigkeit  des  Wortes  ,Dinge  im  Raum 4  hervorgerufen.
Werden  darunter,  wie  es,  wenn  der  Raum  nur  eine  im  Geiste
vorhandene  Idee  oder  Anschauungsform  bedeutet,  nicht  anders
sein  kann,  blosse  Vorstellungen  verstanden,  so  sind,  damit
verglichen,  in  einem  wirklichen  Raume  existireude  wirkliche
Dinge  blosse  Einbildungen.  Dinge  an  sich,  die  nicht
im  wirklichen  Raume  existiren,  brauchen  darum  noch  nicht
Einbildungen  zu  sein:  sie  dürfen  aber  auch  nicht  mehr
,Dinge  im  Raume 4  heissen.  Wenn  daher  Berkeley  Dinge,  die
in  einem  wirklichen  Raume  sind,  leugnet,  so  hat  er  Dinge,  die
nicht  im  wirklichen  Raume  sein  sollen  (wie  Kant’s  Dinge  an
sich)  nicht  geleugnet;  und  wenn  Kant  Dinge  an  sich,  die  nicht
im  wirklichen  Raume  sind,  behauptet,  so  hat  er  damit  Berkeley,
der  nur  Dinge,  die  in  einem  wirklichen  Raume  sein  sollen,
bestreitet,  nicht  widerlegt.
Die  wirkliche  Differenz  zwischen  dem  Kant’sehen  und
Berkeley’schen  Idealismus  besteht  daher  darin,  dass  1.  das
wahrnehmende  Subject  des  letzteren  das  individuelle
(empirische),  jenes  des  ersteren  ein  transcendentales  ist;
2.  dass  Kant  den  bei  ihm  wie  bei  Berkeley  vorhandenen
realistischen  Factor  der  Erfahrung  unbestimmt  als  ,Ding
an  sich 4 ,  Berkeley  dagegen  bestimmt  als  göttlich  cn  Wil  1  en
bezeichnet;  3.  dass  derselbe  bei-Berkeley  auf  die  ganze,  bei
Kant  dagegen  nur  auf  die  Materie  der  Erfahrung  sich  erstreckt. ­
  Die  angebliche  Differenz,  dass  Berkeley  das  Beiinden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.