Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Byzantinische  Analekten.

355

vollkommen  paralysirt  werde.  Er  beweiset  aus  der  Geschichte  der
Lakedämonier,  Perser  und  Römer,  dass  mit  dem  Aufgeben  der  staatlichen ­
  Ordnung  allemal  auch  das  Glück  aus  der  Gesammtheit  weiche.
Desshalb  räth  er,  das  jetzige  politische  Leben  und  Treiben  wegen
der  von  Seite  der  Barbaren  drohenden  Gefahren  gänzlich  umzugestalten ­
  und  alles  bestmöglichst  einzurichten;  da  man  es  mit  mächtigen ­
  und  kräftigen  Feinden  zu  tliun  habe,  während  man  doch  selbst
sehr  schwach  und  kraftlos  sei.  Nur  durch  die  eifrigsten  Bemühungen
werde  es  gelingen,  dem  Feinde  nachhaltigen  Widerstand  zu  leisten.
Dies  könne  jedoch  nur  geschehen,  wenn  die  Bürger  seihst  die  Abwehr ­
  gegen  den  Feind  übernehmen.  Es  sei  früher  die  Sitte  der
Peloponnesier  gewesen,  zum  Kriege  zu  steuern  und  den  Krieg  zu
führen;  dies  sei  aber  nur  desshalb  möglich  gewesen,  weil  die
Feldzüge  nur  kurze  Zeit  dauerten,  die  Gesammtheit  überhaupt
nicht  so  gefährdet  war,  wie  heute,  und  aus  der  Kriegsbeute  immer
noch  ein  Gewinn  erwuchs.  Jetzt,  wo  Feldzüge  und  Steuern  sich  immer ­
  vermehrten,  ja  unausgesetzt  dauerten,  müsse  man  die  Tüchtigsten ­
  für  den  Felddienst  heraussuchen,  die  statt  allen  anderen  Leistungen ­
  abwechselnd  die  Bewachung  des  Isthmos  und  das  Erscheinen
an  jedem  Orte,  wo  Gefahr  drohe,  zu  übernehmen  hätten.  Auf  eine
gute  Bewaffnung  der  Streiter  sei  vor  Allem  zu  sehen.  Die  anderen
Bewohner  hätten  dann  die  Lasten  des  Aufwandes  zu  tragen  4 ).  Am
Isthmos  müsste  beständig  ein  starker  Posten  von  mindestens  tausend
Mann  sein,  zugleich  aber  für  unvorhergesehene  Fälle  Anstalten  getroffen ­
  werden,  dass  alle  rasch  am  Orte  der  Gefahr  sich  sammelten.
Es  käme  aber  auch  darauf  an,  den  Soldaten  tüchtige  Führer  zu  geben, ­
  und  es  wäre  zweckmässig,  wenn  der  Kaiser  selbst  käme,  um
sich  vom  Stande  der  Dinge  zu  überzeugen:  sei  ihm  dies  schlechterdings ­
  unmöglich,  so  solle  er  solche  Feldherrn  als  Rathgeber  des
Despoten  schicken,  die  uneigennützig  für  die  Gesammtheit  wirkten,
nicht  nach  eigenem  Vortheil  trachteten  und  zugleich  die  Vollmacht
mitbrächten,  das,  was  ihnen  als  das  beste  erschiene,  sogleich  ins  Werk
zu  setzen,  und  dabei  nichts  zu  schonen,  wie  ja  auch  ein  rechter
Arzt  Glieder  brenne  und  abschneide,  wenn  es  sich  um  die  Gesundheit
des  ganzen  Leibes  handle.  Dies  sei  sein  wohlgemeinter  Rath.

D  Er  bezieht  sieb  hier  auf  die  neue  Art  Helotismus  ,  die  er  einführen  wollte,
und  in  den  beiden  andern  Schriften  weitläufig  auseinandergesetzt  hat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.