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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  Bergmann.

selbst  verlor  nach  und  nach  seine  alte  Originalität  fast  gänzlich;  die
noch  vorhandenen  Überbleibsel  geben  jedoch  in  ihrer  innern  Construction
  das  schönste  Zeugniss,  wie  dauerhaft  einst  diese  Wohnungen
waren.  Hört  man  alte  Bürger  über  die  gemachten  Funde  sprechen,  so
wundert  man  sich,  dass  in  Bregenz  nicht  längst  schon  ein  Museum
entstanden  ist,  wo  die  örtlichen  Antiquitäten  aufbewahrt  werden  »).
Schreitet  man  von  der  untern  Stadt  durch  die  Aurachgasse
hinauf,  so  bemerkt  man  am  bürgerlichen  Stadtspitale,  dass  das  äussere
Stadtthor  von  dort  entfernt  wurde.  Dieses  Spital,  ehemals  ein  gräflich
Montfortisches  Gebäude,  lehnt  sich  nachbarlich  an  die  Montfortische
Capelle  (urkundlich  auch  die  alte  St.  Martins-Pfarrkirche
betitelt)  an,  deren  Presbyterium  gänzlich  in  den  nördlichen,  kolossalen ­
  Stadtthurm  hineingebaut  wurde.
Steigt  man  weiter  vom  Spitale  29  Schritte  aufwärts,  so  kommt
man,  ehe  das  Niveau  dieser  obern  Stadt  anfängt,  zum  zweiten  noch
bestehenden  Thore,  das  einst  nur  so  viel  Baum  auf  seinem  beschränkten ­
  Rücken  bot,  um  eine  kleine  Thorwache  zu  beherbergen.  Seinem
sichtlichen  I'  undamente  und  seiner  Bekleidung  mit  Sandsteinen  nach
zu  urtheilen,  ist  es  eben  so  alt  als  dessen  ganze  Umgebung.  Des
gäben  Abhanges  wegen  hatte  es  die  beträchtliche  Höhe  der  andern
Ihürme  nicht  nöthig.  Als  das  Ärarium  in  Folge  innerlicher  Baufälligkeit ­
  dasselbe  um  das  Jahr  1789,  wie  man  sagt,  für  48  Gulden  veräusseite,
  so  brachte  es  der  Stadtbaumeister  Gail  Joseph  Gunz  an  sich,
und  baute  mit  Benützung  der  Stadtmauer  und  des  Hofraumes  die
Wohnung  „ob  dem  Thurm”,  deren  Aussenseite  imposant  in  die
Augen  fällt 3 ).  Dieselbe  kaufte  im  Jahre  1793  der  wohl  unterrichtete
Buchdrucker  Joseph  Brentano,  der  seine  Buchdruckerei  dahin
übertrug.  Sowohl  die  Behausung,  jetzt  mit  Nr.  405  bezeichnet,  als
auch  die  Buchdruckerei  gehören  nun  J.  Hild’s  sei.  Witwe.
Gerade  13  Wiener  Fuss  oberhalb  der  Thoröffnung,  oder  25  Fuss
3  Zoll  hoch  in  diesem  Thurme  ist  das  in  Relief  gehauene  Denkmal

)  Zu  wünschen  wäre,  dass  man  alle  am  Ölrain  ausgegrabene  römischen  Antiquitäten ­
  von  Brigantium,  der  ältesten  Stadt  am  Bodensee,  der  von  ihr  bei  den
Römern  den  Namen  lacus  Brig  antinus  erhielt,  sorgfältig  sammelte  und  in
Einem  Locale  vor  Verschleppung  verwahrte.  Möge  ein  einflussreicher  Mann
daselbst  sich  an  die  Spitze  stellen,  und  den  ersten  so  nöthigen  Impuls  geben.
2 )  Die  rechts  daran  gebaute  Wohnung,  jetzt  ein  Eigenthum  des  Fräuleins  Anna
v.  Bildstein,  war  einst  das  Zeughaus.
            
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