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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

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Abhandlungen  ans  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  VI.  449
der  angeblich  240jährigen  Periode  berührt,  desto  mehr  an
innerer  Unwahrscheinlichkeit  zunimmt.  Es  ist  endlich  auch
nur  theilweise  richtig,  wenn  gesagt  wird,  dass  durch  alle  Glieder ­
  des  mit  Tanaquil  verbundenen  Fürstengeschlechtes  derselbe
Dualismus  hindurchgeht  und  wie  immer  gleich  Remus  der  eine
als  Complement  des  andern  verschwindetEs  gab  nicht  blos
2  Demaratussöhne  Äncus  und  Lucumo,  2  Söhne  oder  Enkel
des  Tarquinius  Priscus,  Ancus  und  Lucius,  2  Töchter  des
Servius  Tullius,  Tullia  major  und  Tullia  minor,  sondern  die
Zweizahl  beherrscht  von  Anfang  die  ganze  Sage  und  hält  man
sie  für  beseitigt,  so  war  es  doch  nur  momentan  und  wendet
sie,  von  der  Dreizahl  verdrängt,  gegen  das  Ende  der  Periode
erst  noch  ihre  ganze  Kraft  an;  statt  zu  verschwinden,
durchdringt  sie  jetzt  erst,  ich  möchte  sagen.in  der  steten
Wiederholung,  sinn-  und  poesielos  alle  Ordnungen,  um  endlich
in  der  republikanischen  Zeit  im  zweifachen  Consulate  das
historische  Feld  zu  behaupten.
In  der  zweiten  Hälfte  des  Königthumes,  in  welcher  fortwährend ­
  die  .Zweizahl  gegen  die  Einheit  des  letzteren  auftritt
und  diese  gegen  jene  den  Sieg  behauptet,  bis  es  dem  Doppelconsulate
  erliegt,  erscheint  Tarquinius  Priscus  als  der  Romulus
  der  neuen  Aera,  Servius,  der  den  Plebejern  zu  ihrer
Stellung  in  der  Verfassung  verhilft,  als  eine  Art  Friedensfürst
gleich  Numa,  Tarquinius  Superbus,  mit  welchem  die  Herrschaft ­
  der  Könige  gewaltsam  abbricht,  so  dass  es  nicht  mehr
zu  einem  zweiten  Ancus  Martius  kommt,  entspricht  dem  Tullus
Hostilius.  Er  vereinigt  Latiner  und  Römer  in  Einem  Heere,
wie  dieser  dem  Dualismus  zwischen  Rom  und  Alba  ein  Ende
machte.  Der  siebente  König  führt  einen  siebenjährigen  Krieg
mit  den  Sabinern,  wobei  die  Sage  auf  die  sabinischen  Bestandtheile
  der  römischen  Bevölkerung  vergessen  zu  haben  scheint.
Das  Gewaltsame  des  Romulus  ist  auch  in  ihm,  der  gleich  dem
Romuliden  entrückt  wird,  wenn  auch  nicht  in  die  Wolken,
doch  nach  Cumä.
Verweilt  man  aber  bei  der  eben  angeführten  Thatsache,
dass  die  Zweizahl  nach  so  oft  wiederholten  Ansätzen  endlich
im  Consulate,  wenn  auch  nicht  im  Königthum,  zum  Siege

1  Baehofen,  Die  Sage  von  Tanaquil.  1870.
Sitzb.  a.  phU-hist.  CI.  LXXI.  Bd.  III.  Hft.  29

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