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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Würdigung  des  L.  Cornelius  Sulla  als  Gesetzgeber  und  Staatsmann.  757

Reformen  zum  leeren  Schematismus,  ihre  Verfassung  zum  blossen
Fachwerke  ohne  Leben,  ohne  Seele,  ohne  innere  Kraft  und  Bedeutung. ­

Der  Sieg  Sulla’s  ist  und  bleibt  somit  der  Anfang  einer  Umwälzung, ­
  welche  Julius  Cäsar  wieder  aufnimmt,  Cäsar  Augustus  vollendet. ­
  Mit  ihm  beginnen  die  zuletzt  siegreichen  monarchischen  Bewegungen ­
  Rom’s,  die  den  Staat  zu  seinem  Anfänge,  der  Monarchie,
zuriickführen  und  die  römische  Geschichte  harmonisch  abschliessen,
sie  mehr,  als  dieses  mit  der  Geschichte  irgend  eines  anderen  Volkes
des  Alterthums  der  Fall  war,  als  einen  wohlgegliederten  Organismus
erscheinen  lassen.
Sulla  selbst  hatte  wohl  kaum  eine  Ahnung,  welche  neue  Zeit  er
einführe  und  dass  durch  das,  was  er  jetzt  that,  der  ganze  Charakter
Rom’s  vom  Grunde  aus  sich  änderte,  verändert  blieb;  die  ganze  griechische ­
  Geschichte  kennt  keinen  Kampf  wie  den  Bundesgenossenkrieg, ­
  hat  keine  Schlachten  aufzuweisen  wie  die  von  Sacriportus  und
vor  der  porta  Collina,  aber  auch  keine  Verwilderung  wie  jene,  welche
sich  nach  dem  blutigen  Siege  zeigte  und  von  der  die  Proscriptionen
so  wie  die  Ermordung  der  8000  Gefangenen  hinlänglich  Zeugniss
geben.
Eine  Republik  aber,  welche  eine  derartige  Krise  durchgemacht
und  an  diesem  Abgrund  angelangt  ist,  kann  sich  nicht  mehr  als  solche
erhalten.  Ihre  Tage  sind  unwiderruflich  gezählt.
Allein  Sulla,  als  siegreicher  Gegner  ohne  Erbarmen,  zeigte  jetzt,
dass  er  nicht  bloss  den  Wiederbeginn  des  Bürgerkrieges,  wenigstens
unter  dem  alten  Parteinamen  unmöglich  zu  machen  verstehe.  Er  war
nicht  eine  blosse  militärische  Natur.  Der  Staat  musste  wieder  aufgerichtet, ­
  das  grosse  Leichenfeld  Italien  den  Händen  seiner  Bürger,
welche  Rom  den  Frieden  gegeben,  zugewendet  und  aufs  Neue  colonisirt
  werden,  Rom  durch  Gesetze  gekräftigt,  durch  Sitten  geläutert,
nach  Innen  neu  aufgebaut,  nicht  bloss  die  Macht  Roms  wiederhergestellt ­
  werden.  Nur  einem  Oetavius  Augustus  war  Ähnliches  zu  unternehmen ­
  noch  Vorbehalten.  Er  that  dies,  nachdem  ein  langer  Bürgerkrieg ­
  wie  ein  verzehrendes  Feuer  die  ganze  Peripherie  des  Reiches
umwandelt  und  von  Rom  ausgehend  dahin  zurückgekehrt  war,  und
zwar  mit  der  Absicht  unter  dem  Scheine  der  Republik  ihr  Wesen  für
immer  zu  Grabe  zu  tragen.  Sulla  gedachte  die  Republik  zu  erneuern,
nicht  ihr  Erbe  zu  werden,  sondern  ihr  Wiederhersteller.  Oetavian
            
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