Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

468

S  cli  e  rer.

sein,  obgleich  er  traurig  ist.  Aber  noch  bat  er  Hoffnung,
seinen  Sang'  zu  erneuen.  Der  Winter  bat  nur  leider  allzulang
gewährt.  —  Der  Verfasser  benutzt  den  conventionellen  Parallelismus ­
  zwischen  Singen  Glücklichsein  Sommer,  zwischen  Trauer
Unglücklichsein  Winter  zu  indirectem  Ausdruck  des  Gedankens:
ich  hoffe  noch  auf  Glück,  nur  hat  mein  Unglück  allzulang
gewährt.
In  demselben  sucht  er  sich  VI  (19,  17)  über  die  Hartherzigkeit ­
  der  Geliebten  zu  trösten,  indem  er  annimmt,  sie
wolle  ihn  nur  auf  die  Probe  stellen  und  dies  ausführt  mit
Rücksicht  auf  Hiob  23,  10  et  probavit  me  quasi  aurum  quod
per  ignem  transit.  Die  Theorie  von  der  moralischen  Vervollkommnung ­
  durch  Liebe,  speciell  durch  Liebesleid,  tritt  hier
zuerst  auf  innerhalb  der  mittelhochdeutschen  Lyrik,  und  wir
sehen  sie  entstehen  mit  Anlehnung  an  christliche  Begriffe.
Aber  die  absichtliche  Selbsttäuschung  kann  nicht  länger
Vorhalten.  Sie  will,  dass  er  sie  verlasse,  wenigstens  thut  sie
so.  In  einem  neuen  Tone  (19,  27)  nimmt  er  Abschied.  Dem
Wortlaute  nach  muss  es  nicht  nothwendig  ein  Abschied  sein
—  ja  die  Wendung  in  der  dritten  und  vierten  Zeile  deutet
auf  das  Gegentheil  hin  —  :  aber  es  war  wohl  thatsächlich  so.
Das  Liederbuch  bricht  mit  den  Worten  ab:  ,Lieber  möchte
ich  sterben,  als  dass  ich  ihr  diene  vil  und  sie  davon  nichts
wissen  will/
Sit  si  wil  deich  von  ir  scheide,
dem  si  dicke  tuot  gelicli,
ir  schcene  unde  ir  güete  beide
die  läze  si,  so  leere  ich  mich,
swar  ich  danne  landes  var,
ir  lip  der  höchste  got  bewar.
min  herze  erlcos  mir  dise  not.
senfter  weere  mir  der  tot
danne  deich  ir  diene  vil
und  si  des  niht  wizzen  wil.
Dr.  Pfaflf  in  Buchsweiler  bemerkt  in  einer  mir  handschriftlich ­
  vorliegenden  Arbeit  über  Rudolf  von  Fenis:  ,Soll
der  Burggraf  von  Rietenburg-  den  Folquet  von  Marseille  benutzt ­
  haben,  weil  er  wie  dieser  einmal  sagt,  er  wolle  sich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.