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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Bolesfaw  I.  von  Polen.

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Kaiser,  dass  ihn  nunmehr  Udalrich  in  seinem  Lande  als  Gast  empfing
und  mit  wahrhaft  kaiserlichen  Geschenken  auszeichnete?
Bolestaw  hatte  inzwischen  seine  Stellung  bei  Glogau  verlassen
und  war  nach  Wortizlava  (Breslau)  südlich  vorgerückt.  Da  die  Lohe,
an  der  Nimptsch  liegt,  unfern  nördlich  von  Breslau  in  die  Oder  geht,
nahm  er  wahrscheinlich  eine  zuwartende  Stellung  ein,  gefährdete
aber  den  Kaiser,  der  die  Belagerung  aufheben  musste,  durch  diese
Stellung  so  sehr,  dass  derselbe  mit  seinem  geschwächten  Heere  gar
nicht  den  Flankenmarsch  zurück  an  die  sächsische  Elbe  wagen  konnte
und  ihm  nur  der  beschwerliche  Rückzug  nach  Böhmen  an  die  obere
Elbe  blieb,  längs  deren  er  in  der  That  nach  Meissen  zog.  Um  dieselbe
Zeit  wohl  schlichen  sich  abseits  vom  grossen  Kriegstheater  mehr
als  600  Mann  Polen  zu  Fuss  nach  Böhmen  in  der  Hoffnung,  wie
gewöhnlich  daselbst  Beute  zu  machen,  geriethen  aber  vielmehr
selbst  dem  Feind  in  die  Hände.
Mit  dem  schimpflichen  Rückzüge  des  Kaisers  nach  Böhmen  hatte
der  Feldzug  ein  Ende  1 ).  Die  Liutizen  kehrten  und  zwar  verstimmt
heim;  einer  von  Markgraf  Herimann’s  Mannen  nämlich  hatte  eine
ihrer  Göttinen,  die  sie  als  Banner  vor  sich  hertrugen  mit  einem  Steinwurf
  zerschellt,  doch  erhielten  sie  vom  Kaiser,  als  die  Priester  der
Göttin  ihm  betrübt  davon  Anzeige  machten,  zur  Entschädigung
12  Talente.  Als  sie  bei  Vurcin  die  Mulde  überschreiten  wollten,  welche
sehr  stark  angeschwollen  war,  hatten  sie  das  Unglück,  noch  das  heilige
Bild  einer  zweiten  Göttin  sarnrnt  einer  auserlesenen  Bedeckung  von
60  Rittern  zu  verlieren.  Dies  alles  machte  auf  die  Liutizen  einen  so
peinlichen  Eindruck,  dass  sie,  zu  Hause  angelangt,  darüber  ratliscldagten,
  ob  man  nicht  fürder  dem  Kaiser  den  Kriegsdienst  aufkünden ­
  sollte.  Aber  die  Vornehmsten  sammelten  das  Volk  zu  einer
gemeinsamen  Berathung  und  brachten  die  Menge  von  jenem  Vorhaben
wieder  ah.  Ja  im  folgenden  Jahre  unternahmen  die  Liutizen  einen
Rachezug  gegen  Mistislav,  der  ihnen  den  Zuzug  verweigert  hatte  und
den  sie  nun,  unterstützt  von  der  heidnischen  Reaction  seines  Landes
vertrieben  2 ).  Es  fällt  nun  gewiss  auf,  dass  die  Liutizen  auf  ihrem
Heimzuge  die  Mulde  passiren.  Die  besten  Aufschlüsse  hierüber  bringt

1 )  Merkwürdig,  dass  L.  Giesebrecht,  W.  G.  I,  44  den  Rückzug  über  Böhmen  ignorirt,
und  II.  direct  von  Nimptsch  über  Meissen  nach  Sachsen  zurückgehen  lässt.
3 )  Thietmar  1.  8,  c.  4.
            
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