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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  Arneth.

ganz  hieher  gehört,  und  dessen  Basreliefs  auffallend  mit  den  Gemälden ­
  auf  der  Vase  übereinstimmen,  so  glaube  ich  diesen  Sarkophag

Das  Grabmal  ist  ein  schöner  Überrest  alter  Kunst.  Ich  überreiche  im
Anschlüsse  eine  Skizze  von  demselben  und  den  beiden  kleinen  Sarkophagen,
die  zwar  nicht  ganz  getreu  ist,  da  ich  sie  aus  dem  Gedächtnisse  entwarf,
aber  doch  geeignet,  um  eine  Idee  davon  zu  geben.  Wie  dieser  Entwurf  zeigt,
erheben  sich  auf  dem  Grabesdeckel  zwei  Figuren,  eine  männliche  und  eine
weibliche  in  halb  liegender,  halb  sitzender  Stellung;  die  männliche  rückwärts,
die  weibliche  mehr  nach  vorne.  Die  ersttere  stützt  sich  auf  den  linken  Ellbogen ­
  und  lässt  die  rechte  Hand  auf  der  linken  Achsel  der  weiblichen  ruhen.
Über  die  linke  Schulter  der  männlichen  Statue  fällt  die  Toga,  und  in  der
Hand  hält  sie  eine  Schriftenrolle.  Das  Frauenbild  stützt  sich  gleichfalls  auf
den  linken  Ellbogen,  indem  sie  die  rechte  Hand  auf  dem  halb  ausgestreckten
rechten  Beine  ruhen  lässt.  Die  Stellung  ist  ungezwungen,  die  Haltung  behaglich. ­
  Die  Extremitäten  —  besonders  des  Weibes  —  sind  weich  gehalten,
und  mit  griechischem  Geschmacke  ausgeführt.
Die  Köpfe  sind  voll  Ausdruck,  und  wie  es  scheint  nach  dem  Leben  gehauen, ­
  wie  schon  die  durch  Cavitäten  angedeuteten  Pupillen  vermuthen  lassen.
Die  Gesichtszüge  der  weiblichen  Figur  deuten  auf  ein  schon  vorgerückteres
Alter,  und  eine  Ähnlichkeit  mit  denen  weiland  Ihrer  Majestät  der  Kaiserinn
Maria  Theresia  fällt  an  ihnen  auf.  Die  Draperie  bezeichnet  eine  leichte  Bekleidung ­
  von  feinem  Zeuge,  sie  ist  mit  Fleiss  behandelt.  Das  Ganze  verräth
den  Meissei  eines  Meisters,  der  es  mit  der  Idee  anzuhauchen  wusste,  die
die  Grabschrift  erweckt,  nämlich  zwei  durch  ein  gnädiges  Schicksal  vereinigte ­
  Gatten,  die  auch  der  Tod  nicht  trennen  sollte.
Der  Grabstein  mit  den  Statuen  ist  aus  weissem  Marmor.  Man  muss  bedauern, ­
  dass  durch  die  Unvorsichtigkeit  der  Arbeiter  das  Kunstwerk  starke
Verletzungen  erlitt.  Beide  Köpfe  sind  von  den  Rümpfen  getrennt,  die  Nase
der  weiblichen  Figur  ist  verletzt,  und  der  untere  Theil  des  Grabsteins  mit
einem  Stücke  des  Beines  der  weiblichen  Figur  ist  abgebrochen.  Die  Seitenwände ­
  des  Sarkopliages  sind  noch  in  der  Erde  vergraben;  nach  dem  Wenigen,
was  jedoch  aus  ihr  hervortritt,  bemerkt  man,  dass  sie  mit  halberhabener
Arbeit  verziert  sind,  wie  sich  schon  aus  dem  reichen  Deckel  vermuthen  lässt.
Die  kleinen  Sarkophage  sind  einfach  und  mit  Geschmack  gearbeitet.  Das
Ganze  scheint  eine  Familien-Grabstätte  gewesen,  und  von  einem  nach  vorne
offenen  Bogen  oder  einer  Nische  umfangen  worden  zu  sein,  wie  schon  aus
dem  Umstande  hervorgeht,  dass  die  Hinterseiten  der  Statuen  nicht  ausgeführt,
sondern  von  den  Schultern  abwärts  plan  behauen  sind,  dann,  dass  man  nur
an  den  Seiten  Spuren  von  Mauern  entdeckte.  Ein  Erdbeben  hat  dieses  Grabmal ­
  wahrscheinlich  verschüttet,  wie  denn  auch  die  mächtigen  Pilaster  des
nahen  Triumphbogens  einige  Klafter  unter  der  Erde  stehen.
Zwischen  den  beiden  Statuen  fand  man  eine  steinerne  Tafel  mit  einer  Inschrift, ­
  von  welcher  ich  im  Anbuge  eine  getreue  Copie  übermache.  Es  ist
            
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