Hugo, Graf von Montfort-Bregenz, der Minnesänger.
815
tern, war unter dem schwachen und wortbrüchigen Markgrafen Jobst
unyermuthet mit einer zahlreichen Bande in Österreich eingefallen,
hatte um 20. Mai Nachts die Stadt L a a eingenommen und Besatzung
eingelegt. Da ganze Schaaren raubgierigen Gesindels ihm nachströmten
und in der Umgegend mit Raub, Mord und Brand hausten,
erliessen Herzog Leopold IV., der damals als Vormund des Herzogs
Albrecht V. das Land regierte, und sein Bruder Ernst in der Steiermark
ein Aufgebot gegen diese Landverwüster. Aus letzterer kam
auch der Graf von M on t f o rt *), d. i. unser kriegserfahrener IIugo.
Den Oberbefehl übergab unvorsichtiger Weise der Herzog seinem
Liebling, dem Bischof Berthold 3 ) von Freising. Die Angriffe des im
Felde unerfahrenen Prälaten am 7. August und 1. September 1407
missglückten, wie Kurz in seinem Österreich unter K. Albrecht IJ.,
Wien 1835, Bd. I, 54 ff. (besonders nach Thomas Ebendorfer bei
Pez. II, 830) ausführlich erzählt, aber des Grafen von Montfort mit
keinem Worte gedenkt.
Wann er seine Pilgerfahrt nach dem heiligen Grabe,
auf der er viele Gedichte machte, unternommen habe, ist unbestimmt.
Sollte er mit Herzog Albrecht IV., den eine unstillbare Sehnsucht
nach Jerusalem trotz aller Gefahren trieb, im J. 1398 dahin
gezogen sein? Vielleicht lässt die Zeit dieser Reise aus seinen Liedern
sich entnehmen.
Hugo als Dichter. — Dass er nicht allein das Schwert führte,
sondern auch ein Freund der Leier war, bezeuget uns sein mit
prächtig gemalten und vergoldeten Buchstaben (in späterer Zeit?)
geschriebenes Liederbuch, das 54 Pergamentblätter in je zwei
1 ) Berthold von Weh in gen, aus einem aus Schwaben nach Österreich eingewanderten
Gesclilechte, war früher Herzogs Albert HI. Kanzler, Dompropst
zu St. Stephan, dann von 1381 —1410 Bischof zu Freising. Sein Bruder R e i rill
ard bestätigt als österreichischer Landvogt nach Rudolfs des letzten Grafen
von Montfort - Feldkirch Tode — zu Feldkirch am 13. December 1390 — 1
dem Ammann und den Wallisern zu Damüls ihre Freiheiten. Siehe die Urkunde
Nr. XLVII im Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, Wien 1849, Hft. III,
S. 138. Beide Brüder ruhen in Klosterneuburg bei Wien.
2 ) Das Chronicon Mellicense bei Hieronym. Pez I, 251, erzählt: „Tandem circa
festum S. Jacobi obsessa est civitas per Dominum Episcopum Frisingensem,
ei per Dominum C o mit em de Muntfort c ampiductorem, et per
f/uosdam Ministerielles, et milifares et eines terrae. Sed heu! parum profecerunt
ab obsidione recedentes etc.