Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

780

Freiherr  v.  Sacken,

Eingang  befand  sich,  wie  gewöhnlich,  an  der  Westseite,  dem  Altarraume ­
  gegenüber.  Als  Erbauungszeit  dieser  Capelle  dürfte  nach
allen  Merkmalen  das  12.  Jahrhundert  angenommen  werden;  wahrscheinlich ­
  neben  ihr  stand  die  alte  Kirche.  —  Ein  anderes  hier
stehendes,  interessantes  Monument  ist  ein  sehr  zierliches  ewiges
Licht,  IS'hoch  ‘).  Es  ist  eine  schlanke,  acliteckte  Säule,  auf
welcher  ein  Aufsatz  ruht,  dessen  acht  offene  Seitenflächen  im  spitzen
Kleeblattbogen  bedeckt  sind,  über  denen  sich  schmale  geschweifte
Spitzbogen  erheben;  an  den  Ecken  steigen  zierliche  Spitzsäulen
(Fialen)  empor,  zwischen  denen  sich  die  vierseitige  Pyramide  leicht
erhebt,  an  den  Kanten  mit  Krappen  (Vialen)  besetzt.  Eine  Inschrift
an  der  Säule  gibt  den  Stifter  an;  sie  ist  mit  gofhischen  Majuskeln
geschrieben,  und  lautet:
ICH  .  HEINRICH  .  D.
DRESCHER  .  HAN  .  T
AN.DAZ.PEST.DAZ
ICH  .  MAGT  .  DVRCH  .  G
OT.ZV.DER.CHAR.
Sowohl  den  entschieden  germanischen  Bauformen  nach,  als  auch
aus  der  Inschrift  zu  folgern,  stammt  dieses  zierliche  Monument  aus
dem  Anfang  des  15.  Jahrhunderts.
Endlich  sieht  man  noch  im  Dechanthofe  eingemauert  ein  Hautrelief, ­
  von  der  alten  Kirche  herrührend:  Christus,  stehend,  den
ungläubigen  Thomas  sanft  .umarmend,  der  seine  Finger  in  Christi
Seitenwunde  legt,  —  einfache  schlichte  Gestalten,  gut  gearbeitet,
aber  etwas  schwerfällig.  Die  reichen  Falten  der  Gewänder  sind
gezogen;  der  Styl  lässt  auf  das  14.  Jahrhundert  als  Zeit  der  Anfertigung ­
  schliessen.
Das  auf  dem  merkwürdigen,  frei  stehenden  Hügel  gelegene
Schloss  mit  seinen  weitläufigen,  doppelten  Ringmauern  stammt  aus
verschiedenen  Zeiten.  Der  aus  Quadern  gemauerte  Eingang,  zu  dem
auch  Stücke  von  römischen  Säulen,  auch  römische  Ziegel  als  Material ­
  verwendet  wurden,  insbesondere  aber  das  eigentliche,  im  Innern
stehende  (Berg-)  Schloss,  die  Burg,  sind  die  ältesten  Theile.

1 )  Eine  ziemlich  ähnliche  Säule  in  Klosterneuburg  im  Hofe  neben  dem  Stifte,
mit  Darstellungen  aus  der  Passion,  gestiftet  von  Michael  Tutz,  Bürger  der
Stadt  nach  der  grossen  Pest  1381,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.