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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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Priester  sind  Titte,  plebanus  de  Haimbure  und  Cliunradus  Capellanus
in  der  Bestätigungsurkunde  des  Schottenklosters  von  H.  Leopold  VI.
im  Jahre  1200  t ).  —  1234  bestätigte  Herzog  Friedrich  II.  die
Pfarre  Hainburg,  die  damals  Leopold,  Protonotar,  des  Herzogs  versah
  ä ).  —  1261  war  die  neue,  von  den  Bürgern  der  Stadt  begonnene ­
  Kirche  St.  Martin  schon  grosseutheils  fertig,  und  es  wurden ­
  Sammlungen  zum  Ausbau  derselben  veranstaltet.  Sie  stand  in  der
Nähe  des  jetzigen  Dechanthofes,  und  man  sieht  daselbst  noch  einige
Säulencapitäle,  stark  ausladend,  theils  mit  einzelnen  Kleeblättern,
theils  mit  breiten,  oben  knospenartig  umgebogenen  Blättern  —  eine
für  die  erste  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  charakteristische  Ornamentik ­
  —  verziert,  die  ohne  Zweifel  von  dieser  zweiten  Kirche
herrühren.  Die  Dimensionen  der  Capitäle  zeigen,  dass  sie  gross  war.
Sie  stand  bis  zum  Jahr  1683,  wo  sie  bei  der  Verwüstung,  welche
die  Türken  in  der  Stadt  anrichteten  abbrannte,  dann  aber  so  verfiel,
dass  man  sie  aufzugeben  und  die  Katharinencapelle  auf  dem  Platze
zur  Pfarrkirche  zu  vergrössern  beschloss  (1756).  Der  Chor  stand
bis  in  die  neueste  Zeit,  und  wurde  dann  wegen  des  Materials,
das  man  zum  Baue  des  Thurms  der  neuen  Kirche  verwendete,
abgebrochen.
Im  Dechanthofe  steht  eine  sehr  merkwürdige  Rundcapelle,
ähnlich  denen  zu  Petronell  und  Deutsch-Altenburg,  nur  viel  einfacher  ;
sie  soll  früher  als  Grabcapelle  gedient  haben,  jetzt  wird  sie  als
Magazin  verwendet  und  befindet  sich  in  einem  kläglichen  Zustande.
Der  runde  Hauptraum  hat  keine  Halbsäulen;  die  an  der  gegen  Osten  zu
gelegenen  Apsis  angebrachten  sind  ihrer  Capitäle  beraubt,  über  denen
sich  wahrscheinlich  auch  der  übliche  Rundbogenfries  hinzog.  Die  im
Halbkreisbogen  bedeckten  Fenster  sind  schmal,  nach  innen  stark
eingezogen,  die  Mauern  ganz  aus  Quadern  aufgeführt,  7'  dick.  An
der  Verkröpfung  am  Eingänge  aus  dem  Hauptraume  in  die  Altarvorlage ­
  im  Innern  befinden  sich  einfache,  —  aus  Platte  und  Schmiege
bestehende  —  Kämpfergesimse.  Gewölbe  und  Dach  sind  neu,
ebenso  die  in  die  Apsis  ausgebrochene  Thür,  denn  der  ursprüngliche

*)  Cod.  dipl.  bei  Pez,  II,  pag.  61.
a )  Die  Urkunde  in  Tli.  Mayer’s  Spicilegium  von  Urkunden  aus  der  Zeit  der
österreichischen  Babenberger  Fürsten  im  Archiv  für  Kunde  österr.  Geschichtsquellen.
  Jahrg.  1851,  I,  4.  und  5.  Heft,  S.  313,
BO*
            
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