Die römische Stadt Carnuntum.
779
Priester sind Titte, plebanus de Haimbure und Cliunradus Capellanus
in der Bestätigungsurkunde des Schottenklosters von H. Leopold VI.
im Jahre 1200 t ). — 1234 bestätigte Herzog Friedrich II. die
Pfarre Hainburg, die damals Leopold, Protonotar, des Herzogs versah
ä ). — 1261 war die neue, von den Bürgern der Stadt begonnene
Kirche St. Martin schon grosseutheils fertig, und es wurden
Sammlungen zum Ausbau derselben veranstaltet. Sie stand in der
Nähe des jetzigen Dechanthofes, und man sieht daselbst noch einige
Säulencapitäle, stark ausladend, theils mit einzelnen Kleeblättern,
theils mit breiten, oben knospenartig umgebogenen Blättern — eine
für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts charakteristische Ornamentik
— verziert, die ohne Zweifel von dieser zweiten Kirche
herrühren. Die Dimensionen der Capitäle zeigen, dass sie gross war.
Sie stand bis zum Jahr 1683, wo sie bei der Verwüstung, welche
die Türken in der Stadt anrichteten abbrannte, dann aber so verfiel,
dass man sie aufzugeben und die Katharinencapelle auf dem Platze
zur Pfarrkirche zu vergrössern beschloss (1756). Der Chor stand
bis in die neueste Zeit, und wurde dann wegen des Materials,
das man zum Baue des Thurms der neuen Kirche verwendete,
abgebrochen.
Im Dechanthofe steht eine sehr merkwürdige Rundcapelle,
ähnlich denen zu Petronell und Deutsch-Altenburg, nur viel einfacher ;
sie soll früher als Grabcapelle gedient haben, jetzt wird sie als
Magazin verwendet und befindet sich in einem kläglichen Zustande.
Der runde Hauptraum hat keine Halbsäulen; die an der gegen Osten zu
gelegenen Apsis angebrachten sind ihrer Capitäle beraubt, über denen
sich wahrscheinlich auch der übliche Rundbogenfries hinzog. Die im
Halbkreisbogen bedeckten Fenster sind schmal, nach innen stark
eingezogen, die Mauern ganz aus Quadern aufgeführt, 7' dick. An
der Verkröpfung am Eingänge aus dem Hauptraume in die Altarvorlage
im Innern befinden sich einfache, — aus Platte und Schmiege
bestehende — Kämpfergesimse. Gewölbe und Dach sind neu,
ebenso die in die Apsis ausgebrochene Thür, denn der ursprüngliche
*) Cod. dipl. bei Pez, II, pag. 61.
a ) Die Urkunde in Tli. Mayer’s Spicilegium von Urkunden aus der Zeit der
österreichischen Babenberger Fürsten im Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen.
Jahrg. 1851, I, 4. und 5. Heft, S. 313,
BO*