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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

hem  Mittelalter  angehören  *);  dem  Hainburger  Thor  besonders
ähnlich  ist  der  Thurm  zu  Hirschberg  bei  Beilngries.  Viel  jünger
ist  des  Thors  oberer  Theil,  aus  Quadern  und  Bruchsteinen  gebaut,
flach,  in  der  Mitte  mit  einem  hohen,  schmalen  Spitzbogen,  so  dass
der  zurücktretende  Theil  mit  dem  Eingang  von  oben  herab  vertheidigt
werden  konnte.  Man  sieht  hier  noch  die  Balkenlöcher  (wie  so  oft  an
Bauten  des  spätem  Mittelalters),  schmale  Fenster  und  Schiessscharten ­
  für  Feuergewehre,  unten  rund  mit  einem  schmalen  Einschnitte
darüber  (s.  die  Abbildung).  Merkwürdig  sind  die  grossen,  eingemauerten ­
  Steinkugeln,  angeblich  von  den  Türken  in  die  Stadt  geschossen. ­
  Dieser  obere  Theil  dürfte,  vielleicht  gleichzeitig  mit  den
Stadtmauern,  die  noch  gegenwärtig  stehen,  im  16.  Jahrhundert  gebaut ­
  worden  sein.  An  der  Innenseite  —  der  Stadt  zugekehrt  —  ist
das  Thor  ganz  flach;  von  einer  Galerie  oder  langem  Erker  sind
noch  die  Kragsteine  zu  sehen.
Das  Ungerthor  am  östlichen  Ende  der  Stadt,  ein  mächtiger,
viereckter  Thurm,  scheint  in  seinen  untern  Theilen  derselben  Bauzeit
anzugehören,  wie  die  untere  Hälfte  des  Wiener-Thors  ;  es  ist  nämlich ­
  gerade  so  mit  Buckelquadern  gebaut  und  hat,  nicht  in  der  Mitte,
sondern  etwas  mehr  an  der  linken  Seite  ein  breites  Thor,  im  gedrückten ­
  Spitzbogen  bedeckt,  der  auf  einfachen  Kämpfergesimsen  ruht.
Die  Pfarrkirche,  den  Aposteln  Philipp  und  Jakob  geweiht,
ist  ein  moderner  Bau;  sie  ist  bereits  die  dritte,  von  Grund  aus  erbaute. ­
  Die  älteste,  zu  Ehren  der  h.  Jungfrau  Maria  geweiht,  kommt
schon  im  Jahre  1081  vor  (s.  oben)  3 );  die  ältesten  bekannten

’)  Mutzl,  die  römischen  Wartthürme,  besonders  in  Baiern  (in  der  Abhandlung
der  k.  baier.  Akademie  d.  W.  III.  CI.  VI.  Bd.  II.  Abth.)  Die  Beweise  für  die
römische  Abkunft  dieser  Thürme  sind  sehr  schwach  und  stützen  sich  oft  auf
die  gekünsteltsten  Erklärungen,  da  viele  dieser  Bauten  entschieden  romanische
Bauformen  haben;  durch  die  letzte,  ganz  richtige  Behauptung,  dass  „die
römischen  Strassen  noch  Jahrhunderte  lang  die  Trägerinnen  des  Verkehrs
blieben,"  wird  der  durch  ihr  häufiges  Vorkommen  an  ehemaligen  Römerstrassen ­
  hergeleitete  Beweis  fast  ganz  entkräftet.  —  Ganz  irrig  ist  die
Behauptung,  man  habe  im  Mittelalter  nicht  mit  Gussmauerwerk  ganz
nach  dem  Vitruv’schen  System  gebaut.  Man  vergl.  hierüber  nur  des  bekannten
Architecten  von  Rassaulx  treffliche  Bemerkungen  zu  J.  A.  Klei  n’s  Rheinreise, ­
  S.  440  ,  f.  —  Die  Erklärung  des  Unterschieds  zwischen  antikem  und
mittelalterlichem  Gussmauerwerk  bleibt  Prof.  Mutzl  schuldig.
z }  Auch  Monum.  Boicn  XXIX.  I.  lOi.
            
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