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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  y.  Sacken.

geht  durch  den  nördlichen  Thurm  (dem  Eintretenden  zur  Linken);
es  hat  eine  flache  Bedeckung,  innen  zwei  spitzbogige  Kreuzgewölbe,
deren  starke  Rippen,  bündelförmig  aus  den  Wänden  vortretend,  an
den  Kanten  abgeschrägt  sind  (Taf.  XI,  2).  Neben  dem  Hauptthore
steht  auf  jeder  Seite  an  den  halbrunden  Vorhauen  in  einer  Höhe  von
lb'  eine  Figur  in  hohem  Relief,  auf  einer  1'  hohen  Console.  Die  links
(dem  Eintretenden),  T.  XI,  Fig.  3,  ist  ein  gerüsteter  Mann  mit  eng  anliegenden ­
  Beinkleidern  und  kurzem  Rocke  (indusium),  darüber  das
bis  an  die  halben  Schenkel  reichende  Panzerhemd,  dessen  Ringgeflecht ­
  deutlich  zu  erkennen  ist;  es  hat  kurze  Ärmel.  Der  Panzerkragen ­
  umsehliesst  auch  Hals  und  Kopf,  so  dass  nur  der  obere  Theil
des  Gesichts  frei  bleibt;  auf  dem  Kopfe  scheint  der  Mann  einen
Helm  zu  haben  ’);  die  Hände  hält  er  über  einander  gelegt,  wahrscheinlich ­
  hielt  er  eine  Fahne,  von  deren  Stange  man  noch  ein  Stück
sieht;  oberhalb  neben  der  Figur  ist  auch  ein  Stück  des  Fahnentuchs
sichtbar.  Die  Gestalt,  schreitend,  mit  etwas  zurückgebogenem  Leibe,
ist  nicht  ohne  Bewegung  und  gut  in  der  Proportion.  Die  Figur  dieser ­
  gegenüber  (Fig.  4)  ist  jugendlich  mit  langen  Haaren  und
fliegendem  Gewand,  sich  umsehend,  den  Kopf  stark  zurückgebogen.
Sie  ist  so  beschädigt,  dass  man  kaum  eine  Vermuthung  über  ihre
Bedeutung  wagen  kann;  es  scheint,  dass  sie  mit  beiden  Händen
etwas  hielt.  Wen  nun  diese  Statuen  vorstellen,  ist  schwer  zu  bestimmen; ­
  vermuthlich  ist  der  gerüstete  Mann  der  Gründer  des
Thors,  —  der  damals  regierende  Fürst;  die  andere  vielleicht  ein
jugendlicher  Waffenträger  mit  dem  Schilde? 3 )  Übrigens  sind  die
Figuren  so  mit  den  Mauern  verbunden,  dass  sie  nicht  später  eingesetzt ­
  sein  können,  sondern  mit  dem  Bau  gleichzeitig  sein  müssen.
Dieser  Theil  des  Thors  nun  gehört,  nach  allen  Merkmalen  zu
schliessen,  dem  frühem  Mittelalter  an;  vielleicht  ist  er  ein  Überrest
der  Befestigungsmauern  Herzog  Leopolds  VI.,  —  also,  da  die  Ummauerung ­
  Hainburgs  mit  der  Erweiterung  und  Umfassung  Wiens  zu-*)

  Es  sieht  aus,  als  hätte  er  blos  die  „Harnischkappe”  oder  „Turnayhaube,”  —
das  dicke  Unterfutter,  das  man  unter  den  schweren  Helmen  trug.
")  Erstere  gilt  beim  Volke  als  Attila,  —  mit  wie  wenig  Grund  braucht  wohl  nicht
erwähnt  zu  werden,  —  oder  auch,  da  die  Leute  die  Umhüllung  des  Panzerhemds ­
  für  ein  Kleid  als  Schutz  gegen  die  Kälte  ansehen,  als  Winter,  die
andere  Figur  mit  dem  fliegenden  Gewand  aber  als  Sommer.
            
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