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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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bogenfries  hin,  dessen  erste  Einziehung  gerautet  ist;  darüber  wieder
die  zahnschnittartige  Verzierung  (vgl.  oben;  Tafel  IX,  3).  Drei  Halbsäulen ­
  laufen  an  der  Wand  hinauf;  zwei  derselben  haben  Blatteapitäle
  mit  Schnecken,  die  mittlere  aber  geht  nur  bis  zur  halben  Höhe
und  bricht  da  ab,  weil  hier  (gleichzeitig)  ein  Fenster  angebracht
wurde.  Sie  war,  wie  der  über  ihr  fortlaufende  Rundbogenfries
beweist,  nie  bis  hinauf  geführt.
Ausserordentlich  schön  ist  der  Eingang  an  der  Westseite;  man
steigt  vier  Stufen  hinauf,  —  so  viel  höher  liegt  der  Fussboden  der
Capelle.  Auf  jeder  Seite  befindet  sich  eine  freistehende  Säule  (s.  den
Grundriss  des  Eingangs  Taf.  IX,  1)  mit  herrlichem  Capitäl  aus
Blättern,  die  in  Schnecken  umbiegen,  bestehend,  dazwischen  diamantirte
  Bänder  (Taf.  IX,  4,  S);  auch  die  Deckplatten  sind  verziert
und  auf  den  hohen,  reich  gegliederten  Decksimsen  liegen  grosse,
bienenkorbähnliche  Steine,  die  jedoch  spätem  Ursprungs  zu  sein
scheinen,—vielleicht  umgestürzte  Vasen  aus  der  Renaissance-Zeit,—
denn  ursprünglich  standen  wohl  Figuren  auf  den  Säulen.  Die  dem
Eintretenden  zur  Rechten  hat  eine  plumpe  attische  Basis,  die  zur
Linken  einen  gewundenen  Schaft  (Fig.  4).  In  den  rechtwinklig  abgestuften ­
  Anschlagsmauern  des  Eingangs  stehen  auf  jeder  Seite  drei
4'  8"  hohe,  überaus  zierliche  Säulchen  auf  hohen  Sockeln.  Sie  verdienen ­
  wohl  genauer  beschrieben  zu  werden,  denn  sie  zeigen  eine
schöne  Abwechslung  in  ihren  Verzierungen,  und  jede  hat  eine  andere
Eigenthümlichkeit.  Die  Capitäle  bestehen  aus  schönem,  romanisch
gebildetem  Blattwerk,  verschlungenen  Bändern  und  Zügen,  zum  Theil
diamantirt.  Die  erste  kleine  Säule  zur  Rechten  hat  ein  Blättercapitäl
  und  einen  geflechtartig  verzierten  Sockel  mit  wulstiger  Eckverbindung ­
  (Taf.  IX,  6,  6 a ),  die  zweite  ein  Capitäl  von  Laubzügen
und  diamantirten  Bändern,  achteckigen  Schaftund  Basis  mit  schneckenartiger ­
  Eckverbindung  (Fig.  7,  7“).  Die  erste  Säule  links  hat  ein
sogenanntes  Pfeifencapitäl  (Fig.  8)  und  Schnecken  an  den  Ecken  der
Basis  (Fig.  8“),  die  zweite  ein  Capitäl  von  schweren  Äkanthusblättern,
achteckigen  Schaft  und  wulstige  Eckblätter,  die  dritte  endlich
ein  Capitäl  mit  Schnecken  und  gerauteten  Bändern  (Fig.  9)  <)•  Die

*)  Genau  solche  Säulencapitäle  im  Kreuzgange  der  Kirche  zu  Gernrode  aus  dem
Ende  des  Xfl.  Jahrhunderts  (Puttrich,  Denkmäler  der  Baukunst  ln  den
Anhalt’schen  Ländern,  Taf.  26),  —  ferner  an  mehreren  Kirchen  aus  dem
            
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