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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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welcher  Gelegenheit  auch,  in  Ermanglung  von  Consolen  (wahrscheinlich ­
  waren  viele  schon  sehr  schadhaft),  Stücke  des  alten  Gesimses
dazu  verwendet  wurden.
Das  Dach,  sowohl  am  runden  Hauptraume,  als  an  der  Altarvorlage ­
  ist  modern,  von  Holz.  —  Viele  der  schön  behauenen  Quadern
zeigen  Steinmetz  Zeichen  (Taf.  VI,  8),  sehr  einfache  Figuren,
die  eher  Bezeichnungen  der  Steine  beim  Bau,  zum  richtigen  Fugen
zu  sein  scheinen,  als  Monogramme  der  Bauleute  1 ).
Das  Innere  ist  ganz  einfach.  Ursprünglich  hatte  der  Hauptraum ­
  ohne  Zweifel  ein  starkes,  im  Bundbogen  geführtes  (halbkugelförmiges)
  Kreuzgewölbe,  dessen  breitleibige  Gurte  auf  Consolen
ruhten  “),  und  in  gleicher  Höhe  mit  diesen  Tragsteinen  zog  sich  ein
gegliederte?  Gesimse  ganz  herum;  so  ist  es  dem  Baustyle  der  Capelle
entsprechend.  Das  Dach  aber  war  frei,  ohne  Sparrenwerk  aus  Quadern ­
  gemauert,  kegelförmig,  fast,  oder  ganz  eben  so  hoch,  als  der
Raum,  den  es  bedeckte,  oben  mit  einem  starken  steinernen  Kreuze
versehen  (s.  den  Längen-Durchschnitt  Taf.  VII,  5)  s ).  Das  Kreuz  mit
breiten,  etwas  lilienförmigen  Enden  ist  noch  ausserhalb  der  Capelle
zu  sehen.  Die  Umfangsmauer  hat  die  bedeutende  Dicke  von  7'  9";
in  ihr  befindet  sich  ein  schmaler  Gang,  der  von  der  Nordseite,  wo
sich  der  Eingang  im  Innern  der  Capelle  befand,  in  etwas  weniger
als  einem  Halbkreise  bis  zur  Höhe  des  äussern  Krönungsgesimses
emporführt,  theils  schief  aufsteigend,  theils  mit  Stufen  (s.  den
Grundriss  Taf.  VI,  Fig.  7).  Der  gegenwärtige  Aufgang,  von  einer  hölzernen ­
  Empore  an  der  Westseite  aus,  —  ohne  Benützung  des  untern
Fheils  des  Ganges  (Taf.  VII,  5)—ist  neuern  Ursprungs,  der  alte  Eingang ­
  ist  vermauert.  Auf  dieser  dicken  Umfangsmauer  nun  wurde
ebenfalls  in  neuerer  Zeit,  —  nachdem  Gewölbe  und  steinernes  Kegeldach ­
  nicht  mehr  vorhanden  waren,  —  eine  Gallerie  angebracht,
in  Form  eines  Sechzehnecks,  welche  gegen  die  Capelle  bin  16  vier-*)

  Vgl.  Legis,  der  markomannische  Thurm  der  Veste  Klingenberg  in  Böhmen.
*0  Wie  in  Scheiblingskirchen  bei  Wr.  Neustadt,  wo  eine  Capelle  mit  ganz
ähnlichen  Bauformen  steht,  also  ungefähr  aus  derselben  Periode  herrührend,
wie  die  zu  Petronell.
3 )  Solche  Dächer  haben  die  im  gleichen  Style  erbauten  Rundcapellen  zu  Friedersbach
  und  Burg  Schleinitz  im  Viertel  ober  Mannhartsberg.  Auch  an
denen  in  Hardeck  und  Scheiblingskirchen  sind  noch  Spuren  einer
solchen  Bedachung  zu  erkennen.
Silzb,  d.  phil.-hist.  CI.  IX.  Bd.  IV.  Hft.

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