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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Oie  römische  Stadl  Carnuntum.

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Diese  Capelle  dürfte  der  Mitte  des  XV.  Jahrhunderts  angehören;
bei  aller  Zierlichkeit  der  Ausschmückung  tritt  schon  jenes  unorganische ­
  Element  dazu  (die  Rippen  ohne  Träger  etc.),  welches  die
spätere  Zeit  des  germanischen  Styls  charakterisirt.  —  Ein  moderner
Zubau  ist  die  Sacristei.
Über  die  Erbauung  der  Kirche  sind  keine  bestimmten  Nachrichten ­
  vorhanden;  der  Sage  nach  wurde  sie  schon  von  Kaiser
Constantin  gegründet,  was  zwar  keine  Unmöglichkeit  ist,  sich  aber
auch  durchaus  nicht  nachweisen  lässt.  Mehr  Glauben  dürfte  der
Überlieferung  zu  schenken  sein,  welche  sie  als  eine  Stiftung  Karls
des  Grossen  bezeichnet,  der  in  diesen  Gegenden  mehrere  Pfarren
stiftete  und  Kfrchen  erbaute.  Der  Bau,  von  dem  noch  Chor  und
lhurm  stehen,  rührt  vielleicht  von  jenem  Markgrafen  Theobald  von
Vohburg  her,  der  auch  für  die  Dotirung  der  Kirche  zu  Petronell
sorgte,  oder  von  dem  damals  neuen  Besitzer  Hugo  von  Chranichperg,
welcher  das  Lehen  von  Kaiser  Konrad  erhielt.  Mit  dieser  Hypothese
stimmt  wenigstens  Charakter  und  Form  des  Baues  überein.
Die  höchst  merkwürdige,  ausserhalb  des  Marktes  gegen  Westen
zu  stehende  Rundcapelle  ist  sicherlich  eines  der  ältesten  Baudenkmale ­
  des  Mittelalters  in  Österreich.  Es  ist  ein  runder  Bau,  29'
im  Durchmesser,  gegen  Osten  mit  einer  halbkreisförmigen  Altarvorlage ­
  versehen  (eigentlich  mehr,  als  einen  halben  Kreis  bildend),
von  16'  Durchmesser,  ganz  aus  Quadern  erbaut  (Taf.  VI,  Fig.  6,
Taf.  VII).  An  den  Wänden  des  runden  Hauptraumes  laufen  aussen  starke
Halbsäulen  hinauf,  20  an  der  Zahl,  mit  einfachen  Capitälen,  welche
mit  schwerem,  oben  volutenartig  umgebogenem  Blattwerk  verziert
sind,  der  antiken  Form  mit  Schnecken-sich  nähernd  (Taf.  VII,  1).
über  diesen  Säulen,  unter  dem  Dachgesimse  zieht  sich  ein  schwerer,
gegliederter  (verdoppelter)  Rundbogenfries  hin;  die  Schenkel  seiner
Bogen  ruhen  theils  auf  ganz  einfach  abgeschrägten  Tragsteinen,
unten  mit  einem  kleinen  Wulste  versehen,  theils  setzen  sie  auf  die
Capitäle  der  Halbsäulen  auf,  der  Art,  dass  zwischen  je  zwei  der
letzteren  zwei  Tragsteine  kommen.  Die  Fenster,  ursprünglich  wohl
schmal,  wie  hei  allen  Bauwerken  dieser  Art,  und  mit  einem  Ilalbkreisbogen
  bedeckt,  wurden  neuerer  Zeit  erweitert,  ebenso  sind  die

Georgs-  oder  Temploiser  Kirche  bei  St.  Augustin  in  Wien;  die  letztere
^  or Stellung  auch  iin  Gewölbe  des  Orgelchors  der  J  o  h  a  n  n  i  t  e  r  -  0  a  p  e  11  e.
            
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