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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

erscheint  der  Chor  mit  einem  rundbogigen  Kreuzgewölbe  bedeckt,
dessen  schwere,  breitleibige  Gurten,  —  im  Profil  viereckig  mit  abgeschrägten ­
  Kanten,  —  auf  der  Seite  gegen  das  Schiff  hin  von  Ecksäulen ­
  mit  ganz  einfachen,  ausladenden  Capitälen  und  dreifach
gegliederten  Decksimsen  getragen  werden  (das  Profil  Taf.  VI,  4),
in  den  Ecken  der  Schlussmauern  aber  auf  unverzierten,  starken
Consolen  ruhen.
An  der  Westseite  steht  der  massive,  viereckte  Thurm  (das
Dach  modern);  unter  dem  Gesimse  an  demselben  sieht  man  wieder
den  schweren  Rundbogenfries  wie  am  Äussern  des  Chors.
Alle  diese  Bauformen  sind  charakteristische  Merkmale  des  romanischen ­
  Styls  und  zwar  der  entwickelten  Periode  desselben;  wenn
wir  sie  mit  denen  an  so  vielen  ähnlichen  Monumenten  Deutschlands,
deren  Erbauungszeit  bekannt  ist,  vergleichen,  so  werden  wir  finden,
dass  sie  der  Zeit  um  die  Mitte  des  XII.  Jahrhunderts  eigenthümlich
sind,  die  wir  daher  mit  ziemlicher  Bestimmtheit  als  die  Erbauungszeit ­
  des  jetzigen  Chors  und  des  Thurms  annehmen  können.
Ein  späterer  Zubau  im  germanischen  Style  ist  die  an  der  Südseite ­
  angebaute,  mit  dem  Schiffe  in  Verbindung  stehende  Capelle
(Taf.  VI,  1),  —  ein  längliches  Viereck,  von  zwei  Kreuzgewölben
bedeckt,  deren  einfach  gegliederte,  grätige  Rippen  in  den  Ecken  auf
Tragsteine  aufsetzen,  die  aus  fliegenden,  betenden  Engelsgestalten  von
guter  Arbeit  bestehen,  in  der  Mitte  aber  unmittelbar  aus  den  Wänden
hervortreten,  ohne  Stütze  oder  Vermittlung.  In  den  Schlusssteinen  der
Gewölbe  (den  Kringeln)  sieht  man  zwei  merkwürdige  symbolische
Darstellungen:  den  Pelikan,  der  sich  die  Brust  aufreisst,  um  mit
seinem  Blute  die  Jungen  zu  nähren  (auf  den  Opfertod  Christi  bezüglich) ­
  ’)>  und  den  Löwen,  der  die  todten  Jungen  anbrüllt,  um  sie  zu
beleben,  —  nach  der  Meinung,  dass  der  Löwe  nach  drei  Tagen
komme,  um  das  todtgeborne  Junge,  bei  dem  die  Löwinn  Wache  hält,
zum  Leben  zu  erwecken,  auf  die  Auferstehung  Christi  gedeutet 2 ).—

*)  Vgl.  Martin  et  Cahier,  Les  vitraux  de  Bourges,  PI.  I.
2 )  S.  Karajan,  deutsche  Sprachdenkm.  des  XII.  Jahrhunderts.  S.  75  und
Abb.  4.  —  Durandus,  Rationale  divin.  offic.  lib.  VII.  —  II  ei  der,  Physiologus,
  S.  15,  f.  —  Beide  Vorstellungen  kommen  bisweilen,  jedoch  selten,
in  Schluss-Steinen  der  Gewölbe  vor,  so  in  dem  aus  dem  XIII.  Jahrhundert
herrührenden  Theile  der  Kirche  des  Nonnenklosters  zu  Imbach  (Viertel
ober  Mannhartsberg)  ,  —  in  der  zu  Anfang  des  XIV.  Jahrhunderts  erbauten
            
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