Die römische Stadt Carnuntum.
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Es ist eine merkwürdige Thatsache, dass einmal bestehende
Ortschaften, wenn sie auch durch die Stürme der Zeit total zerstört
werden, vielleicht zeitweise öde und verlassen stehen, so dass sie
schon vertilgt zu sein scheinen, doch nie ganz verschwinden, sondern
immer wieder von neuem entstehen: denn die Niederlassung an
einem bestimmten Platze geschieht nicht zufällig, sondern ist an
ganz bestimmte Bedingungen geknüpft und wohl in den Verhältnissen
begründet; es lässt sich daher bei so vielen Orten der Gegenwart
ein hohes Alter nachweisen, und bei Weitem die meisten bestanden
schon in den ältesten Zeiten. Die Bedingungen, nach welchen eine
solche Ansiedlung geschieht, wurzeln so tief in den Beziehungen des
Menschen und seiner Bedürfnisse zur Natur und ihren Gaben, —
da er nach einer Seite hin so ganz im Naturleben fusst, — dass kein
Mensch oder menschliches Ereigniss im Stande ist, jene geographischen
Gesetze umzustossen, so wenig als den innern Entwickelungsgang
der Geschichte zu hemmen oder zu ändern. Dieses Gesetz der
Aufrechthaltung des einmal Bestehenden, so lange es nur immer
möglich ist, erstreckt sich auch auf ganz kleine Orte, selbst auf
Wege u. dgl.
Welche furchtbaren Stürme brachen über die Bömerstadt Carnuntum
noch nach ihrer Zerstörung durch die Quaden herein! Bedenken
wir nur, wie viele barbarische Völker über ihre Stätte zogen,
und wie lange sie in den Händen von Stämmen war, welche keine
festen Wohnsitze hatten, nur zerstörten, nichts neu erbauten; ich
erinnere nur an die Hunnen und die Avaren. Dennoch sehen wir,
sobald die Gegend den Barbaren abgenommen war, auf der Stelle der
Römerstadt neue Ortschaften entstehen, obwohl kaum mehr Überreste
vorhanden gewesen sein dürften, welche den neuen Ansiedlern
hätten von besonderem Nutzen sein können.
Sehr auffallend ist es ferner, dass wir gerade hier, in einer
Gegend, die von verheerenden Kriegen und Zügen der Ungern in
verschiedenen Zeiten und namentlich der Türken so häufig hart mitgenommen
wurde, eine Reihe von Baudenkmalen des Mittelalters
treffen, so merkwürdiger Art, dass sie wohl eine nähere
Betrachtung verdienen.