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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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eines  Knaben  und  den  Kopf  eines  aufrecht  stehenden  Delphins  sieht,
sehr  gut  gemacht,  ist  als  Fragment  einer  Statue  des  Amor  oder  eines
neptunischen  Genius  zu  betrachten.  —  Die  bisher  gefundenen  Grabsteine ­
  mit  Bildwerk  stammen  meist  aus  der  spätem  Kaiserzeit;  einige
haben  die  Büsten  der  Verstorbenen  nach  der  gewöhnlichen  Darstellungsweise, ­
  die  Männer  mit  Tunika  und  Paludamentum  bekleidet,  in
der  Linken  eine  Bolle  haltend,  die  Rechte  mit  ausgestreckten  Schwurfingern ­
  auf  die  Brust  gelegt  (Taf.  V,  Fig.  3,  4);  andere  haben  bloss
Verzierungen,  Blumen-  und  Fruchtgewinde  zwischen  gewundenen
Säulchen  mit  kelchfürmigen  Capitälen.  Wahrscheinlich  christlichen
Ursprungs  sind  die  Steine  Nr.  6  und  7  mit  Delphinen,  welche  als
Symbol  der  Christen  ‘)  (oder  auch  Christi  selbst,  in  Bezug  auf  den
Fisch  des  Tobias)  in  der  alt-christlichen  Periode  häufig  in  Anwendung ­
  waren;  letzterer  ist  wegen  der  die  Freundschaft  bezeichnenden
verschlungenen  Hände  innerhalb  eines  Kranzes,  dem  Bilde  der  Ewigkeit, ­
  bemerkenswerth.
Von  Bronze  ist  ein  rechter  Fuss  einer  kolossalen  Statue  besonders ­
  merkwürdig,  zwischen  Petronell  und  Altenburg  dicht  neben  der
Strasse  gefunden,  gegenwärtig  im  k.  k.  Antiken-Cabinete  (Nr.  1786).
Er  ist  15"  lang,  mit  dem  Calceus  Senatorius  a )  bekleidet,  nämlich
ganz  in  einen  ziemlich  dünnen  Stoff,  der  die  Formen  durchscheinen
lässt,  eingehüllt;  zwei  breite  Bänder  laufen  vom  Rist  beiderseits  neben
den  Zehen  herab,  auf  ihnen  sind  zwei  schmälere  Riemen  sichtbar.
Der  Fuss  ist  zum  Theil  mit  Blei  ausgegossen,  unten  offen;  in  der
Mitte  bildet  das  Blei  einen  starken,  viereckigen,  unten  breiter  ausgehenden ­
  Zapfen  oder  Ansatz,  der  dazu  diente,  die  Statue  auf  dem
Postamente  zu  befestigen,  indem  man  das  Metall  zwischen  den  Zehen
in  den  hohlen  Fuss  und  die  in  das  Postament  gemachte  Vertiefung
eingoss.  Es  sind  noch  mehrere  eingesetzte  Ausbesserungsplättchen
sichtbar.  Die  Statue,  die,  dem  Fusse  nach  zu  schliessen,  ausgezeichnet
schön,  gewiss  aus  der  besten  Zeit  römischer  Kunst  gewesen  sein
muss,  hatte  eine  Höhe  von  ungefähr  8';  sie  scheint  sehr  gewaltsam,
vorzüglich  durch  Feuer  zerstört  worden  zu  sein,  wie  die  geschmolzenen ­
  Kanten  am  Fusse  beweisen.  Vielleicht  Hessen  sich  bei  genaueren
Nachgrabungen  am  Fundorte  noch  andere  Theile  dieses  schönen  Denk-*)

  Nach  Matth.  4,19;  Marc.  1,  17;  Luc.  5,  2,  7.
2 )  S.  Becker,  Gallus  II,  S.  104.
            
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