Die römische Stadt Carnuntum.
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eines Knaben und den Kopf eines aufrecht stehenden Delphins sieht,
sehr gut gemacht, ist als Fragment einer Statue des Amor oder eines
neptunischen Genius zu betrachten. — Die bisher gefundenen Grabsteine
mit Bildwerk stammen meist aus der spätem Kaiserzeit; einige
haben die Büsten der Verstorbenen nach der gewöhnlichen Darstellungsweise,
die Männer mit Tunika und Paludamentum bekleidet, in
der Linken eine Bolle haltend, die Rechte mit ausgestreckten Schwurfingern
auf die Brust gelegt (Taf. V, Fig. 3, 4); andere haben bloss
Verzierungen, Blumen- und Fruchtgewinde zwischen gewundenen
Säulchen mit kelchfürmigen Capitälen. Wahrscheinlich christlichen
Ursprungs sind die Steine Nr. 6 und 7 mit Delphinen, welche als
Symbol der Christen ‘) (oder auch Christi selbst, in Bezug auf den
Fisch des Tobias) in der alt-christlichen Periode häufig in Anwendung
waren; letzterer ist wegen der die Freundschaft bezeichnenden
verschlungenen Hände innerhalb eines Kranzes, dem Bilde der Ewigkeit,
bemerkenswerth.
Von Bronze ist ein rechter Fuss einer kolossalen Statue besonders
merkwürdig, zwischen Petronell und Altenburg dicht neben der
Strasse gefunden, gegenwärtig im k. k. Antiken-Cabinete (Nr. 1786).
Er ist 15" lang, mit dem Calceus Senatorius a ) bekleidet, nämlich
ganz in einen ziemlich dünnen Stoff, der die Formen durchscheinen
lässt, eingehüllt; zwei breite Bänder laufen vom Rist beiderseits neben
den Zehen herab, auf ihnen sind zwei schmälere Riemen sichtbar.
Der Fuss ist zum Theil mit Blei ausgegossen, unten offen; in der
Mitte bildet das Blei einen starken, viereckigen, unten breiter ausgehenden
Zapfen oder Ansatz, der dazu diente, die Statue auf dem
Postamente zu befestigen, indem man das Metall zwischen den Zehen
in den hohlen Fuss und die in das Postament gemachte Vertiefung
eingoss. Es sind noch mehrere eingesetzte Ausbesserungsplättchen
sichtbar. Die Statue, die, dem Fusse nach zu schliessen, ausgezeichnet
schön, gewiss aus der besten Zeit römischer Kunst gewesen sein
muss, hatte eine Höhe von ungefähr 8'; sie scheint sehr gewaltsam,
vorzüglich durch Feuer zerstört worden zu sein, wie die geschmolzenen
Kanten am Fusse beweisen. Vielleicht Hessen sich bei genaueren
Nachgrabungen am Fundorte noch andere Theile dieses schönen Denk-*)
Nach Matth. 4,19; Marc. 1, 17; Luc. 5, 2, 7.
2 ) S. Becker, Gallus II, S. 104.