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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

kräftiger  Arbeit,  ist  leider  stark  beschädigt,  indem  der  Kopf,  der
rechte  Arm,  ein  Theil  des  linken  und  beide  Füsse  fehlen.  Er  ist  mit
einem  um  die  linke  Schulter  geworfenen  Gewände,  welches  die  rechte
Schulter  und  Brust  unbedeckt  lässt,  bekleidet.  Der  Leih  ist  etwas
zurückgebogen  und  von  derber  Musculatur;  im  linken  Arme  hält  er
ein  Füllhorn,  zu  seinen  Füssen  sieht  man  die  Cista  mystica,  halb
geöffnet,  aus  der  sich  eine  Schlange  herauswindet.  Diese  Cista,  ein
Korb  aus  Rohr  geflochten  mit  den  verborgenen  Heiligtbümern  *)  und
der  Schlange,  dem  gewöhnlichen  Bilde  der  tellurischen  Kräfte,  ist  das
specifisehe  Symbol  der  Mysterien  und  vorzugsweise  demBacchus  eigenthümliche
  Attribut 3 ).  Sie  bezeichnet  also  den  Genius  als  bacchischen.
Diese  Figur  dürfte  dem  Charakter  der  Arbeit  nach  aus  der  Zeit  Caracalla’s
  stammen.  Aus  einer  frühem,  bessern  Epoche  der  Kunst  scheint
eine  sehr  gute  Marmorfigur  des  Mercur,  1'  9"  hoch,  im  Schlossgarten ­
  zu  Petronell  befindlich,  herzurühren,  dann  ein  Flussgott,
liegend,  halbbekleidet,  etwas  kurz  in  der  Proportion,  2'  lang,  IS"
hoch;  er  befindet  sich  im  untern  Saale  des  Schlosses.  Von  geringerem
Kunstwerth  ist  eine  Ä  s  k  u  1  a  p  -  Büste  im  k.  k.  Cabinete  (Nr.  240),
1'  2"  hoch.  Hr.  Widter  in  Schwechat  besitzt  ein  interessantes  Relief
aus  Carnunt,  16"  breit,  12"  hoch,  einen  Stier  im  vollen  Laufe  darstellend, ­
  den  ein  mitlaufender  Mann  beim  Horne  fasst;  letzterer  ist  mit  einer
kurzen  Tunica  und  leichter  Chlainys  um  die  Schultern  bekleidet,  auf
dem  Kopfe  eine  Art  phrygiscber  Mütze,  in  der  Rechten,  wie  es  scheint,
einen  Stab  haltend  (Taf.  V,  Fig.  2).  Diese  Vorstellung  scheint  mit
dem  Mithrascult  in  Zusammenhang  zu  stehen,  worauf  schon  die  Kleidung ­
  des  Mannes  deutet;  vielleicht  ist  es  Mithras  selbst,  im  Begriffe,
den  Stier  zu  bändigen  und  niederzuwerfen,  also  gleichsam  in  einem,
frühem  Momente  als  bei  der  gewöhnlichen  Darstellungsweise,  wo  er
dem  bereits  zu  Boden  geworfenen  den  Dolch  in  den  Hals  stösst.  Der
Charakter  der  Arbeit  lässt  auf  das  dritte  Jahrhundert  n.  Chr.  schliessen;
die  Bewegung  ist  ziemlich  lebendig,  aber  die  Formen  sind  plump.  —
Ein  kleines  Postament  aus  weissem  Mamor,  auf  dem  man  den  Fuss

J )  S.  Clemens  von  Alexandr.  Protrepi.  c.  2.
2 )  S.  Eckhel,  1.  c.  IV,  pag.  375.  Panelius,  De  num.  cistophoris.  nie
Genii  loci  als  Naturgeister,  welche  dem  Boden  seine  erzeugende  und  belebende
Kraft  verleihen,  wurden  gewöhnlich  unter  dem  Bild  einer  Schlange  darg'eslellf.
  Vgl.  Schümann,  a.  a,  O.  S.  10  f.
            
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