Die römische Stadt Carnuntum,
701
nur noch Schriftspuren im Mörtel abgedrückt; es scheint ein Grabstein
gewesen zu sein. Hiernach ist es kaum wahrscheinlich, dass
unser Monument einer von den beiden Triumphbogen (ätpifeg rponaiofopoi)
sei, welche, wie Dio Cassius (LVI, 16, p. 818, 83)
erzählt, dem Tiberius zu Ehren seines Sieges über die Pannonier
errichtet wurden; denn damals, als die Römer gerade zum ersten Male
in diese Gegenden kamen, wo sie sich noch gar nicht ruhig behaupten
und festsetzen konnten, werden sie wohl schwerlich Altäre der Götter
und Grabsteine als Baumateriale verwendet haben, wohl aber ist
dies in späterer Zeit, nachdem sie schon lange hier ansässig waren
denkbar (vielleicht sogar in der christlichen Ära, wo man oft heidnische
Altäre als unnütze Steine zum Bauen nahm). Auch findet man
mitten im Gemäuer, an Stellen, welche erst durch den Verfall in
neuerer Zeit zu Tage kamen, römische Ziegel, welche offenbar
durch Brand gelitten haben, und davon geschwärzt'sind, also von
einem durch Feuer zerstörten Gebäude herrühren.
Was nun Zweck und Bedeutung dieses merkwürdigen Denkmals
anbelangt, so wurden verschiedene Vermuthungen darüber aufgestellt.
Wolfgang Lazius (Comment. de Rep. Rom.. I. XII, sect. 3 c. V
hielt es für ein Stadtthor, wogegen aber nicht nur die ganze Anlage
mit zwei rechtwinkelig sich durchschneidenden Durchgängen
spricht, sondern auch der Schmuk an den Seiten des Bogens, woraus
hervorgeht, dass er ganz frei stand. Bei Nachgrabungen zeigte sich
keine Spur einer ehemaligen Strasse. Nach einer andern Ansicht ist
er für ein Quadrivium anzusehen, d. i. ein tempelartiges Gebäude
über einem Kreuzweg zu Ehren der quadrivisclien Götter, der Beschützer
solcher Wege und der auf ihnen Wandernden, errichtet. Diese
Quadrivia hatten nun zwei sich kreuzende Durchgänge, darüber erhob
sich ein capellenartiger Aufbau. Diese Ansicht hat viele Wahrscheinlichkeit
für sich, und könnte mit dem merkwürdigen Inschriftsteine
(s. u. Nr. XXIII) in Beziehung gebracht werden, nur ist der Ort, wo
das Denkmal steht, auffallend, denn für ein Heiligthum der Beschützer
der Kreuzwege wäre wohl der Ort, wo die beiden Strassen, — die
nach Scarabantia führende und die längs der Donau hinlaufende — sich
trafen oder kreuzten, der geeignetste gewesen, nicht aber ein Platz
ausserhalb der Stadt (denn dass unser Monument ausser den Stadtmauern
stand, ist schon nach der Lage des Cimeteriums kaum zu
bezweifeln), an keiner grösseren Strasse (s. oben). Für einen