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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum,

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nur  noch  Schriftspuren  im  Mörtel  abgedrückt;  es  scheint  ein  Grabstein ­
  gewesen  zu  sein.  Hiernach  ist  es  kaum  wahrscheinlich,  dass
unser  Monument  einer  von  den  beiden  Triumphbogen  (ätpifeg  rponaiofopoi)
  sei,  welche,  wie  Dio  Cassius  (LVI,  16,  p.  818,  83)
erzählt,  dem  Tiberius  zu  Ehren  seines  Sieges  über  die  Pannonier
errichtet  wurden;  denn  damals,  als  die  Römer  gerade  zum  ersten  Male
in  diese  Gegenden  kamen,  wo  sie  sich  noch  gar  nicht  ruhig  behaupten
und  festsetzen  konnten,  werden  sie  wohl  schwerlich  Altäre  der  Götter
und  Grabsteine  als  Baumateriale  verwendet  haben,  wohl  aber  ist
dies  in  späterer  Zeit,  nachdem  sie  schon  lange  hier  ansässig  waren
denkbar  (vielleicht  sogar  in  der  christlichen  Ära,  wo  man  oft  heidnische ­
  Altäre  als  unnütze  Steine  zum  Bauen  nahm).  Auch  findet  man
mitten  im  Gemäuer,  an  Stellen,  welche  erst  durch  den  Verfall  in
neuerer  Zeit  zu  Tage  kamen,  römische  Ziegel,  welche  offenbar
durch  Brand  gelitten  haben,  und  davon  geschwärzt'sind,  also  von
einem  durch  Feuer  zerstörten  Gebäude  herrühren.
Was  nun  Zweck  und  Bedeutung  dieses  merkwürdigen  Denkmals
anbelangt,  so  wurden  verschiedene  Vermuthungen  darüber  aufgestellt.
Wolfgang  Lazius  (Comment.  de  Rep.  Rom..  I.  XII,  sect.  3  c.  V
hielt  es  für  ein  Stadtthor,  wogegen  aber  nicht  nur  die  ganze  Anlage ­
  mit  zwei  rechtwinkelig  sich  durchschneidenden  Durchgängen
spricht,  sondern  auch  der  Schmuk  an  den  Seiten  des  Bogens,  woraus
hervorgeht,  dass  er  ganz  frei  stand.  Bei  Nachgrabungen  zeigte  sich
keine  Spur  einer  ehemaligen  Strasse.  Nach  einer  andern  Ansicht  ist
er  für  ein  Quadrivium  anzusehen,  d.  i.  ein  tempelartiges  Gebäude
über  einem  Kreuzweg  zu  Ehren  der  quadrivisclien  Götter,  der  Beschützer ­
  solcher  Wege  und  der  auf  ihnen  Wandernden,  errichtet.  Diese
Quadrivia  hatten  nun  zwei  sich  kreuzende  Durchgänge,  darüber  erhob
sich  ein  capellenartiger  Aufbau.  Diese  Ansicht  hat  viele  Wahrscheinlichkeit ­
  für  sich,  und  könnte  mit  dem  merkwürdigen  Inschriftsteine
(s.  u.  Nr.  XXIII)  in  Beziehung  gebracht  werden,  nur  ist  der  Ort,  wo
das  Denkmal  steht,  auffallend,  denn  für  ein  Heiligthum  der  Beschützer
der  Kreuzwege  wäre  wohl  der  Ort,  wo  die  beiden  Strassen,  —  die
nach  Scarabantia  führende  und  die  längs  der  Donau  hinlaufende  —  sich
trafen  oder  kreuzten,  der  geeignetste  gewesen,  nicht  aber  ein  Platz
ausserhalb  der  Stadt  (denn  dass  unser  Monument  ausser  den  Stadtmauern ­
  stand,  ist  schon  nach  der  Lage  des  Cimeteriums  kaum  zu
bezweifeln),  an  keiner  grösseren  Strasse  (s.  oben).  Für  einen
            
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