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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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schon  eine  grosse  Anzahl  ausgehoben  wurde,  sieht  man  in  Petronell
häufig  als  Brunnsteine  und  Futtertröge  benützt.  Eine  zweite  Art  von
Gräbern  scheint,  der  vielen  Stücke  von  Ziegelplatten,  die  man  hier
findet,  zufolge,  bloss  mit  solchen  ausgelegt  gewesen  zu  sein,  wie  man
dies  auch  anderwärts  (z.  B.  bei  Bruck  a.  d.  Leitha)  findet.  Viele
Inschriftsteine  wurden  an  der  Stelle  des  Cimeteriums  gefunden;
einigermassen  regelmässige  Nachgrabungen  würden  nicht  nur  solche
ans  Tageslicht  fördern,  sondern  man  könnte  sicherlich  die  Art  der
Anlage  des  Begrähnissplatzes  und  die  Weise  des  Begrabens  seihst
deutlich  erkennen.
Südlich  vom  Cimeterium,  560°  davon  entfernt,  steht  ein  rnächtigerBogen,
  das  „Heidenthor”  genannt(Taf.  111),weithin  sichtbar,
schon  von  ferne  die  Aufmerksamkeit  des  Reisenden  erregend  *).  Er
ist  das  einzige  römische  Baudenkmal  im  Erzherzogthume  Österreich,
das  sich  ohne  Zubau,  in  seiner  Reinheit  aus  dem  Alterthume  erhalten
hat.  Es  war  ursprünglich  ein  auf  4  Pfeilern  ruhender  Bau  mit  zwei
Durchgängen,  genau  nach  den  Weltgegenden;  der  eine  geht  gegen
den  Wall,  wo  die  Castra  standen,  der  andere,  rechtwinklig  dagegen,
nach  der  Civilstadt  hin.  Jetzt  stehen  nur  mehr  die  beiden  westlichen
Pfeiler  aufrecht  sammt  dem  sie  verbindenden  Bogen;  von  den  beiden
verschwundenen  Pfeilern  wurden  die  Grundfesten  aufgegraben,  und
an  den  erhaltenen  sind  noch  sehr  deutlich  die  Ansätze  der  Bogen  zu
sehen,  welche  sie  mit  jenen  verbanden, 3 )  so,  dass  über  die  ursprüngliche ­
  Anlage  des  Baues  wohl  kein  Zweifel  sein  kann.  Er  bildete  ein
Quadrat  mit  4  Thoren.  Die  Pfeiler  haben  ein  stark  ausladendes,  einfach ­
  gegliedertes  Kämpfergesims,  auf  dem  die  Bogen  aufsetzen;  über
letzteren  zog  sich  ein  fortlaufendes,  auf  kleinen  Kragsteinen  ruhendes
Gesimse  hin,—wie  dies  bei  den  meisten  Bogen  der  Fall  war,  —  welches
den  horizontalen  Abschluss  bildete.  Noch  weiter  oben  lief  das  eigentliche ­
  Krönungsgesims,  von  starken  Tragsteinen  unterstützt;  zwei
derselben  sind  noch  am  südlichen  der  beiden  erhaltenen  Pfeiler  sichtbar. ­
  (S.  Taf.  III.)  Der  letztere  Umstand  beweist,  dass  der  Bau  kaum

i )  Abgebildet  in:  Kollar,  Analecta  monument.  omnis  aevi  Vinrlob.  Taf.  I,
Vag-  1016.  —  Ferner  in  sehr  kleinem  Massstabe  und  äusserst  unvollkommen
auf  dem  Umschläge  von  Horm  ay  r’s  Taschenbuch  f.  vaterl.  Gesell.  Jahrg.  1821,
und  in  Tschischka’s  Gesch.  d.  Stadt  Wien,  S.  7.
*)  S.  Taf.  IV.

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