698
Freiherr v. Sacken.
Der Schüttkasten, an dem viele Inschriftsteine, die aber
grossentheils auf eine sehr vandalische Art zerstört werden, indem
sie als Ziel zu Schiessübungen dienen, eingemauert sind, ist auf
römische Suhstruction erbaut und der Sockel besteht aus hier ausgegrabenen
Marmorplatten; als Baumateriale wurden Bruchsteine und
Ziegel antiker Mauerwerke benützt; dies sagt auch die Inschrift
aus: „An der hier gelegenen, uralten grossen Hauptstadt Carnuntum,
„welche die Pannonier erbaut, die Römer im Jahre X erobert, die
„Mährer, Schlesier und Polen im Jahre 3S7 zerstört haben, ist dieser
„Schüttkasten auf die von den Römern gelegten Grundmauern mit
„ihren zugeführten Steinen und vielen, unter Constantius II. gebrannten
„Ziegeln im J. 1774 aufgeführt worden.”
Durch die ganze Länge des Schlossgartens ist das Wasser
einer Quelle in einem mit starken, wenig behauenen Steinplatten ausgelegten
Gange unter dem Boden fortgeleitet. Der Gang ist bei
3' hoch und mit mächtigen Steinplatten bedeckt. Die ganze Art der
Ausmauerung, der Mörtel, der theils mit Kies, theils mit kleinen Ziegelstücken
vermengt ist, ja der selbst bei dieser einfachen Construction
sich aussprechende Charakter lassen diese Wasserleitung
unzweifelhaft für eine römische erkennen. Ungefähr 1000 Schritte
weit kann man die Spuren verfolgen, allein zum Anfang gelangte man
noch nicht.
Am südwestlichen Ende des Marktfleckens befindet sich die
ehemalige B e g r äb n i s s s t ä tt e (Cimeterium) der Stadt Carnunt; es
ist eine mässige Erhöhung (gegenwärtig ein Weingarten), die wahrscheinlich
schon ausserhalb der Stadtmauer gelegen war, wo sehr
viele, ziemlich regelmässig neben einander gelegte Steinsärge gefunden
wurden. Diese sind 6'7"—6'10" lang, im Innern 2' breit, 1'4"—
1'8" tief, 6—8" dick; am Boden haben sie auf einer Seite eine kleine
Erhöhung der Quere nach, worauf der Kopf des Verstorbenen gelegt
wurde. Sie scheinen schon alle einmal geöffnet worden zu sein, wahrscheinlich
bei dem Überfall der Barbaren, denn die Deckel sind theils
ganz, theils bloss an einer Ecke zerschlagen, die Gebeine meist in
grosser Unordnung; auch fand man, — wenigstens bei den in neuerer
Zeit ausgegrabenen — nirgends Schmuckgegenstände, wohl aber
werthlosere Töpfe und Glasgefässe von bauchiger Form, zum Theil
noch sehr gut erhalten. Einzelne Bruchstücke deuten darauf hin, dass
der Deckel oft mit einer Inschrift versehen war. Diese Särge, deren