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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

Vitruv  (L.  II,  c.  3)  wurden  aber  erstere  zu  Privat-  letztere  zu
öffentlichen  Bauten  verwendet  1 ).  Die  meisten  und  schönsten  Gebäude ­
  scheinen  an  der  Stelle  des  herrschaftlichen  Schlosses
und  seiner  Nebengebäude  gestanden  zu  sein,  und  es  werden  fortwährend ­
  Fundamente  von  Häusern  im  Hofe  heim  Schlosse  aufgegraben. ­
  Leider  werden  diese  merkwürdigen  Überreste  des  Alterthums
nur  als  Steingruben,  und  zur  Gewinnung  von  Schutt  verwendet;  bei
einiger  Ordnung  im  Aufdecken  des  Gemäuers  Hessen  sich  sicherlich
die  Spuren  ganzer  Gebäude  blosslegen,  so,  dass  man  dann  ihre  ganze
Einrichtung  erkennen  könnte;  so  aber  werden  immer  nur  einzelne
Theile  zu  Tage  gefördert,  die  bald  wieder  zerstört  oder  verschüttet
werden.  Die  Masse  von  schönen,  trefflich  gebrannten  Ziegeln,  die
man  hier  täglich  findet,  ist  ausserordentlich  gross;  viele  derselben
haben  an  zwei  Seiten  einen  2"  hohen  Rand;  wahrscheinlich  wurden ­
  sie  mit  diesen  Rändern  gegen  einander  gestellt,  wodurch  man
hohle  Mauern  erhielt,  welche—  besonders  an  den  oberen  Theilen  der
Gebäude  —  den  Voitheil  grösserer  Leichtigkeit  hatten,  wie  auch  den,
dass  die  dazwischen  befindliche  Luftschichte  durch  unten  angebrachte
Heizrohren  erwärmt,  und  die  Räume  auf  diese  Art  geheizt  werden
konnten.  Die  Mauern  sind  tlieils  aus  Backsteinen  (testacei),  tlieils
aus  den  sehr  guten  Bruchsteinen  aufgeführt,  welche  die  Berge  bei
Hamburg  bieten,  nämlich  Grauwackenkalk,  Grobkalk,  auch  Granit.
Bei  einigen  nördlich  (gegen  die  Donau)  laufenden  Mauern  findet
man  innerhalb  der  äussern  dicken  Mauer,  ungefähr  8"  davon  entfernt
eine  zweite  dünnere,  zwischen  beiden  eine  schmale  steinerne  Rinne;
es  ist  dies  die  Art,  die  Vitruv  (L.  VII,  c.  4)  angibt,  um  feuchte
Gebäude  trocken  zu  machen,  und  die  sich  sicher  als  sehr  zweckmässig ­
  bewährte.  Der  Mauerputz  ist  sowohl  an  der  Aussenseite,  als
innen  in  den  Gemächern  sehr  dick  und  besteht  aus  mehreren  Lagen
von  Kalk  und  immer  feinerem  Sande;  die  oberste  Schichte  ist  so
fein,  dass  sie  polirt  werden  konnte,  was  auch  überall  vorkommt.
Die  Wände  waren  oft  schön  bemalt  mit  grellen  Farben,  Streifen,
Blumen  und  Thieren;  es  wurde  noch  manches  ziemlich  erhaltene
Stück  davon  aufgefunden.  Mehrere  Räume  hatten  schwebende  Fussböden,
  auf  Ziegelpfeilerchen  ruhend,  die  in  der  Regel  auf  einer  Art

*)  Vgl.  über  die  Ziegel:  Guil.  Philandrus  in  den  Noten  zu  obiger  Stelle
Yitruv’s  und:  Ja  uniann,  Colon.  Surnlocene,  pag.  166.
            
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