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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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verlötket  wurden,  gemacht,  so,  dass  sie  der  Länge  nach  einen  starken
Grat  haben.  Die  Tiefe  des  Badebehältnisses  ist  gerade  so,  dass,  wenn
es  voll  war,  das  Wasser  einem  mässig  grossen  Manne  bis  zur  Mitte
der  Brust  reichte.  *)
So  weit  wurde  dieses  Bad  aufgegraben;  weitere  Nachforschungen
hätten  vielleicht  noch  Nebenräume  auffinden  lassen,  das  Praefurnium
u.  dgl.  Freilich  dürfen  wir  hei  Thermen  aus  der  spätem  Zeit  und  in
Provinzialstädten,  wo  kein  so  grosser  Luxus  herrschte,  nicht  alle  jene
Nebengemächer  und  Räume,  die  zur  raffinirteren  Bequemlichkeit
dienten,  und  bei  einer  grossen  Anzahl  von  Besuchern  erforderlich
waren,  aufsuchen,  wie  wir  sie  bei  den  grossen  Badeanstalten  der  Hauptstadt ­
  oder  der  reichen  italienischen  Städte  (von  denen  Gell,  Pompejana
  I.  p.  9S  1F.  eine  ausführliche  Beschreibung  gibt)  antreffen,
sondern  es  waren  hier  nur  die  wesentlichen  Haupttheile  vorhanden,
und  mancher  Raum  musste  zu  mehreren  Verrichtungen  dienen,  wo  in
den  grossen  Bädern  besondere  Gemächer  bestimmt  waren:  das  Fri—
gidarium,  überhaupt  ein  Vorzimmer  für  die  Badenden,  das  Tepidarium,
zugleich  als  Ort  zum  Salben  (Unctorium,  Elaeotlierium)  mit
seinem  kleinern  Becken  zum  Waschen,  das  Caldarium  oder  Dampfbad,
endlich  das  eigentliche  warme  Vollbad  —  dies  sind  die  wesentlichen
Bestandtheile,  die  wir  auch  hier  wiederfinden.
Übrigens  entspricht  diese  Einrichtung  vollkommen  der  Beschreibung, ­
  die  Celsus  I.  3  et  4  gibt,  welche  die  ganze  Diätetik  des
Bades  enthält.  Auch  in  andern  nördlichen  Ländern  aufgefundene
römische  Bäder  zeigen  eine  ganz  ähnliche  Anordnung,  namentlich  das
in  der  Jagdvilla  zu  Fliessem  bei  Trier;  a )  es  hat  dieselben  Haupttheile, ­
  die  Heizmethode,  so  wie  die  Einrichtung,  dass  der  Fussboden
des  Caldariums  beständig  benetzt  wurde;  auch  das  Vollbad  hat  genau
dieselbe  Grösse.  Ein  anderes,  ähnliches  Bad,  ebenfalls  mit  einem
seichten  halbrunden  Becken,  dem  Hauptbehältniss,  welches  den
üblichen  Sitz  am  Bodeu  hatte,  gegenüber  wurde  bei  Hartlip  in  der

*J  Diese  Einrichtung  ist  von  der  der  pompejaniseheu  Bäder  verschieden,  wo  die
Badewanne  nicht  tiefer  als  &(%  ist,  wo  also  die  Leute  auf  dem  Boden  sitzen
mussten,  um  gehörig  im  Wasser  zu  sein,  die  Seitenwand  war  auch  darum  wie
eine  Stuhllehne,  schräg  gebaut,  und  eine  Stufe  theilte  die  ganze  liefe  des
Behälters.
~)  Beschrieben  von  Schmidt,  Baudenkmale  der  röin.  Periode  und  des  Mittelalters ­
  in  Trier  und  seiner  Umgebung.  Rom.  Baudenkm.  Hell  II.  S.  13,  11.
            
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