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Freiherr v. Sacken.
Aus dem gegenwärtigen Zustande und selbst den wenigen Resten,
die zu Tage liegen oder deren Spuren sich noch erkennen lassen,
geht hervor, dass die Stadt aus zwei Hauptpartien bestand; der
Militärstadt, wo die Hiberna castra, das Prätorium und die
Station der Donauflottille waren, zwischen Deutsch-Altenburg und
Petronell, und der Civilstadt an dem Orte, wo jetzt der Markt Petronell
steht, bis zum westlichen Ende desselben. Bei Hainburg, auf
den dominirenden Puncten der Anhöhen, namentlich auf dem Schlossberge
befanden sich Festungswerke, 1 ) Die Anlage von solchen
bedingte das Terrain und strategische Verhältnisse. Die in der Kriegskunst
so hoch erfahrenen Römer besassen zu viel militärischen Tact,
als dass sie diese wichtigen Puncte, die auch bei späteren Kriegen
im Mittelalter und in der neueren Zeit eine so grosse Bedeutung
hatten, hätten übersehen sollen; wir finden ja kaum einen militärischwichtigen,
für Befestigungen geeigneten Platz, den sie nicht in diesem
Sinne benützt hätten.
Von Petronell gegen D. Altenburg steigt das Terrain sanft an,
fällt aber unmittelbar vor dem letztgenannten Orte wieder ab. Auf
der Höhe, 1180° von Petronell, G60° von Altenburg entfernt, zeigt
sich ein grosses Viereck in einer Länge von 200° (die ehemalige
Länge lässt sich nicht bestimmt ermitteln, da die eine Seite gegen
die Donau abstürzt), 160° breit, und ungefähr IS' über den übrigen
Boden erhöht a ). (S. die Karte Taf. II.) Es ist kein Zweifel, dass wir
dieses Viereck, von den Leuten „die alte Burg” genannt, als die Überreste
des Lagers zu betrachten haben; die Umfangsmauern, obwohl
mit Erde bedeckt, sind deutlich zu erkennen. Sie sind mit einem breiten
Graben umgeben, der mit Fluss-Steinen gepflastert war: gegenwärtig
ist er aber ganz ausgefüllt. Die Strasse durchschneidet den ganzen Raum
fast in der Mitte, in der Richtung von Osten nach Westen: wahrscheinlich
die ursprüngliche Via principalis des Lagers, wie es denn über-1
) Her gelehrte Lambccci us hat in so lerne Recht, wenn er Carnunt aus drei
Tlieilen bestehend angibt. S. Kollar, Annal. vindobon. II, pag. 1014 ss.
Zu seiner Zeit mögen auch noch bedeutendere Überreste zu sehen gewesen
sein, als jetzt.
0 In der frühem Zeit war nach P o 1 y h i u s, welcher die ausführlichste Beschreibung
des römischen Bagers gibt, die Grundform desselben ein Quadrat. Später
war es Regel, dass es um ein Drittel länger als breit angelegt wurde. (Vege t.
De re milit. III, 8.)