Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

686

Freiherr  v.  Sacken.

Aus  dem  gegenwärtigen  Zustande  und  selbst  den  wenigen  Resten,
die  zu  Tage  liegen  oder  deren  Spuren  sich  noch  erkennen  lassen,
geht  hervor,  dass  die  Stadt  aus  zwei  Hauptpartien  bestand;  der
Militärstadt,  wo  die  Hiberna  castra,  das  Prätorium  und  die
Station  der  Donauflottille  waren,  zwischen  Deutsch-Altenburg  und
Petronell,  und  der  Civilstadt  an  dem  Orte,  wo  jetzt  der  Markt  Petronell ­
  steht,  bis  zum  westlichen  Ende  desselben.  Bei  Hainburg,  auf
den  dominirenden  Puncten  der  Anhöhen,  namentlich  auf  dem  Schlossberge ­
  befanden  sich  Festungswerke, 1 )  Die  Anlage  von  solchen
bedingte  das  Terrain  und  strategische  Verhältnisse.  Die  in  der  Kriegskunst ­
  so  hoch  erfahrenen  Römer  besassen  zu  viel  militärischen  Tact,
als  dass  sie  diese  wichtigen  Puncte,  die  auch  bei  späteren  Kriegen
im  Mittelalter  und  in  der  neueren  Zeit  eine  so  grosse  Bedeutung
hatten,  hätten  übersehen  sollen;  wir  finden  ja  kaum  einen  militärischwichtigen, ­
  für  Befestigungen  geeigneten  Platz,  den  sie  nicht  in  diesem
Sinne  benützt  hätten.
Von  Petronell  gegen  D.  Altenburg  steigt  das  Terrain  sanft  an,
fällt  aber  unmittelbar  vor  dem  letztgenannten  Orte  wieder  ab.  Auf
der  Höhe,  1180°  von  Petronell,  G60°  von  Altenburg  entfernt,  zeigt
sich  ein  grosses  Viereck  in  einer  Länge  von  200°  (die  ehemalige
Länge  lässt  sich  nicht  bestimmt  ermitteln,  da  die  eine  Seite  gegen
die  Donau  abstürzt),  160°  breit,  und  ungefähr  IS'  über  den  übrigen
Boden  erhöht  a ).  (S.  die  Karte  Taf.  II.)  Es  ist  kein  Zweifel,  dass  wir
dieses  Viereck,  von  den  Leuten  „die  alte  Burg”  genannt,  als  die  Überreste ­
  des  Lagers  zu  betrachten  haben;  die  Umfangsmauern,  obwohl
mit  Erde  bedeckt,  sind  deutlich  zu  erkennen.  Sie  sind  mit  einem  breiten
Graben  umgeben,  der  mit  Fluss-Steinen  gepflastert  war:  gegenwärtig
ist  er  aber  ganz  ausgefüllt.  Die  Strasse  durchschneidet  den  ganzen  Raum
fast  in  der  Mitte,  in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen:  wahrscheinlich ­
  die  ursprüngliche  Via  principalis  des  Lagers,  wie  es  denn  über-1
 )  Her  gelehrte  Lambccci  us  hat  in  so  lerne  Recht,  wenn  er  Carnunt  aus  drei
Tlieilen  bestehend  angibt.  S.  Kollar,  Annal.  vindobon.  II,  pag.  1014  ss.
Zu  seiner  Zeit  mögen  auch  noch  bedeutendere  Überreste  zu  sehen  gewesen
sein,  als  jetzt.
0  In  der  frühem  Zeit  war  nach  P  o  1  y  h  i  u  s,  welcher  die  ausführlichste  Beschreibung ­
  des  römischen  Bagers  gibt,  die  Grundform  desselben  ein  Quadrat.  Später
war  es  Regel,  dass  es  um  ein  Drittel  länger  als  breit  angelegt  wurde.  (Vege  t.
De  re  milit.  III,  8.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.