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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadl  Carnuntum.  68  S
mancher  besonderen  Einrichtungen,  sowie  viele  für  ihre  Geschichte
interessante  Specialitäten,  ergeben  sich  aus  der  Betrachtung  der
noch  vorhandenen

Überreste  Carnuntums.
Vom  Marktflecken  Petronell,  etwas  über  5  Meilen  von  Wien  in  östlicher ­
  Richtung  entfernt,  nach  Deutsch-Altenburg,  y a  Meile  von  ersterem
  entfernt,  gehend,  findet  man  überall  zahlreiche  Spuren  von  Mauerwerk ­
  unter  dem  Boden,  und  mit  geringer  Mühe  lassen  sich  grössere
Parthien  davon  bloss  legen.  Recht  deutlich  sieht  man  im  Frühjahre,
wenn  die  Saaten  noch  jung  sind,  wo  Mauern  unter  der  Oberfläche
des  Bodens  laufen,  denn  sie  wachsen  da  spärlicher  und  langsamer,
daher  auch  die  Bauern,  um  sich  den  Boden  zu  verbessern,  fleissig
das  Mauerwerk  herausnehmen,  wobei  sie  noch  den  Vortheil  haben,
die  guten  Bruchsteine  und  vortrefflichen  Ziegel  zu  neueren  Bauten
verwenden  oder  verkaufen  zu  können,  und  Münzen  oder  andere  Monumente ­
  zu  finden.  So  werden  hier  Nachgrabungen  gemacht!  Die
Donau  fliesst  liier  in  einer  bedeutenden  Tiefe  unter  dem  Niveau  des
Bodens  und  bis  gegen  Altenburg  hin  sind  Erdabstürze  von  40  —  SO 0
am  Ufer  des  vielfach  getheilten,  zahlreiche  Inseln  bildenden  Stromes.
Durch  Dämme  am  entgegengesetzten  Ufer  gedrängt,  reisst  er  bei
jedem  Hochwasser  grosse  Stücke  weg,  und  ein  grosser  Theil  des
Bodens,  auf  dein  einst  die  Stadt  stand,  die  sich  viel  weiter  nördlich
ausbreitete,  als  es  jetzt  möglich  wäre,  da  auch  das  Donaubett  viel
weiter  nördlich  war,  ist  schon  hinabgestürzt.  Die  Stadt  hatte  also
eine  viel  grössere  Breite,  als  es  gegenwärtig  ihre  Trümmer  erkennen ­
  lassen.  Wenn  man  die  Abstürze  gegen  den  Strom  hinab  betrachtet, ­
  so  sieht  man  die  Mauern  der  ehemaligen  Häuser  3  —  4  unter
der  Oberfläche  des  Bodens  hinausragen,  da  sie  durch  ihre  Festigkeit
zum  Theil  noch  halten,  während  das  lockere  Erdreich  bereits  hinabgestürzt ­
  ist;  Theile  von  Fussböden  mit  feinem  Estrich  überkleidet,
die  Anfänge  der  Seitenmauern  hie  und  da  noch  mit  'I  iinche  und  Malerei ­
  sind  deutlich  zu  erkennen.  Natürlich  fallen  auch  sie  nach  und
nach  in  den  Fluss  hinab  und  man  sieht  enorme  Trümmer  in  demselben ­
  liegen.  An  manchen  Stellen  durchschneidet  die  Strasse  das
Mauerwerk  und  der  Wagen  des  Reisenden  dröhnt  im  Hinwegrollen
über  die  Überreste  römischer  Bauwerke.

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