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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

welche  in  drei  Richtungen  das  heutige  Petronell  und  Deutsch-Altenburg
als  die  Stelle  bezeichnen,  wo  Carnunt  stand,  kein  Zweifel,  dass  die
vielen  Reste  von  Gebäuden,  die  grosse  Menge  von  Mauerwerk  unter
der  Oberfläche  des  Bodens  und  die  bedeutende  Anzahl  der  hier  aufgefundenen ­
  römischen  Monumente  wirklich  als  die  Überreste  der
Stadt  Carnuntum  zu  betrachten  sind.
Diese  sowohl,  als  die  römischen  Schriftsteller  bezeugen  die
militärische  Wichtigkeit  der  Stadt  und  wie  bedeutend  sie  war  durch
Lage  und  Grösse.  Es  trafen  hier,  wie  aus  der  Angabe  der  Routen  im
antoninischen  Rinerar  (s.  oben)  und  aus  der  Tabula  Peutingeriana
hervorgeht,  zwei  Strassenzüge  zusammen,  nämlich  der  grosse,  westöstliche, ­
  der  sich  längs  der  Donau  hinzog,  und  die  südliche  von
Aquileja  über  Aemona,  Celleja  und  Petovium  hieher  führende  Strasse,
die  hier  endigte.  Letztere  ist  die  Hauptstrasse  von  Italien  an  die
obere  Donau,  daher  auch  Carnunt  bei  den  meisten  Zügen  und  Märschen, ­
  sowohl  zur  Besetzung  der  zwischen  hier  und  Lauriacum
gelegenen  Orte,  als  bei  Unternehmungen  gegen  die  Feinde  jenseits
der  Donau  berührt  werden  musste.  Auch  war  hier  der  Hauptübergang ­
  über  die  Donau.  Ptolemaeus  gibt  hier  das  Standquartier  der
XIV.  und  X.  Legion  an  (L.  II.  c.  IS);  erstere  war  bis  in  die  letzte
Zeit  daselbst  stationirt,  letztere  nur  zeitweilig  *)•  Auch  andere  Legionen ­
  müssen  temporär  hier  gelegen  sein,  wie  die  Inschrift  Nr.  III

*)  Nämlich  die  Legio  decima  gemina,  zu  unterscheiden  von  der  decima
fr  et  ensis,  die  nach  Jos.  Flavius  (bell.  jud.  V,  2,  3,  4  etc.)  beider
Eroberung  Jerusalems  war,  und  auch  späterhin  zu  verschiedenen  Zeiten  in
Palästina  stationirt  getroffen  wird.  Die  X.  Gemina,  unter  August  und  den
nächsten  Kaisern  in  Spanien,  kam  i.  J.  71  nach  Germanien;  unter  M.  Aurel
lag  sie  schon  in  Öber-Pannonien;  vielleicht  hatten  die  dacischen  Kriege  unter
Trajan  diese  Veränderung  herbeigeführt.  Das  antoninische  Itinerar  gibt  sie  m
Vindobona  an.
Die  Legio  XIV.,  unter  Augustus  in  Ober-Germanien  stationirt  (Tac.  Ann.  I,
38,  70)  wurde  unter  Claudius  nach  Britannien  geführt,  wo  sie  sich  sehr  auszeichnete ­
  ;  unter  Nero  zu  einem  Zuge  gegen  die  Albaner  verwendet,  wo  sie
sich  wahrscheinlich  den  Beinamen  Martia  Vicirix  erwarb,  kam  sie  später
nach  Mainz,  wo  sich  zahlreiche  Inschriften  von  ihr  finden  (bei  Lehne  in
den  Jahrb.  des  Ver.  v.  Alterthumsfr.  im  Rheinl.,  in  d.  Zeitschr.  z.  Erforsch,
d.  rhein.  Alt.  in  Mainz  etc.).  Bald  aber  kam  sie  nach  Carnunt,  vielleicht  auch
unter  Trajan  (vgl.  Dio  Cass.  LV,  23,  Ptolem.  II,  15),  wo  wir  sie  noch
zur  Zeit  der  Abfassung  der  Notitia  dignit  atum  treffen  (s.  oben).
            
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