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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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Zuge  gegen  Constantius  auch  Carnunt  berührte,  ist  sicher;  denn  er
marschirte  mit  seiner  tapfern,  auserlesenen  Armee  längs  der  Donau
herab  vom  Schwarzwald  an,  bis  zu  dem  Puncte,  wo  er  sich  einschitfen
  konnte.  Alle  Städte,  die  an  der  Donau  lagen,  mussten  sich
ihm  unterwerfen  und  Mannschaft  stellen  *);  auch  ist  es  wahrscheinlich, ­
  dass  er  die  ganze  oder  wenigstens  einen  Theil  der  zu  Carnunt
stationirten  Donauflotte  mit  sich  nahm.  Sirmium  war  der  allgemeine
Sammelplatz;  unaufgehalten  schiffte  er  in  11  Tagen  bis  Bononia  (an
der  unteren  Donau  in  der  Nähe  von  Peterwardein),  bald  war  sein
Übergewicht,  seine  allgemeine  Anerkennung  entschieden.
Unter  der  Regierung  Valentinian’s  endlich  brach  über  Carnunt
  das  furchtbare  Unglück  herein,  welches  diese  Stadt  so  arg
mitnahm,  dass  sie,  ihrem  totalen  Untergange  nahe  gebracht,  die
frühere  Bedeutung  und  Wichtigkeit  fast  gänzlich  einbüsste,  —
als  Römerstadt  eigentlich  vernichtet  wurde  a ).  Yalentinian  bereiste ­
  nämlich  gleich  nach  seinem  Regierungsantritte  (364)  die
noriseh-pannonische  Donau,  um  wegen  der  Befestigungslinie  gegen
die  Quaden  und  Sarmaten,  welche  die  Grenzen  stets  beunruhigten,
Massregeln  zu  treffen.  In  der  ersten  Hitze,  und  von  übergrossem
Eifer  getrieben,  hielt  er  es  für  unerlässlich,  nicht  nur  auf  dem  rechten ­
  Donauufer  die  Befestigungen  wieder  herzustellen,  sondern  auch
auf  dem  linken,  im  Lande  des  Feindes  selbst  (in  solo  barbarico)
militärisch  besetzte  Puncte  inne  zu  haben;  er  liess  also  „in  ipsis
Quadorum  terris,”  wie  auf  römischem  Gebiete  feste  Castelle  anlegen.
  Die  Quaden,  dadurch  aufgeschreckt,  machten  billige  und  gemässigte ­
  Vorstellungen,  und  hätte  der  Kaiser  dem  erfahrenen
E  q  u  i  t  i  u  s,  dem  magistcr  armorum  für  Illyrikum,  der  den  Bau
zu  leiten  hatte,  Gehör  gegeben,  so  wäre  es  wohl  zu  einem  Vergleiche
gekommen;  allein  der  leidenschaftliche  und  rohe  Maximinus  bewog
den  Kaiser,  den  mit  gutem  Vorbedacht  zögernden  Equitius  zu  entfernen, ­
  und  seinem  Sohne  Marcellianus  die  Würde  eines  Dux  Vuleriae
  und  die  Weiterführung  des  begonnenen  Befestigungsbaues  zu
übertragen.

*)  „Omnesurbes  aditae,  quae  Danubium  incolunt”  —  sagt  der  ebenso  gewaltige,
als  kluge  Marnertinus,  der  Julian  auf  seinem  Siegeszuge  begleitete.
")  Den  ganzen  Hergang  der  Sache  erzählt  ausführlich  A  mm  i  anus  Mar  ce  1-li
  n  us  (L.  XXX).
            
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