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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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ger  als  glänzend  geführten  Krieges  mit  den  Germanen  nahm  Gallienus
  doch  den  Titel  Germanicus  Maximus  an,  wie  die  Münzen  mit
dieser  und  der  Umschrift:  Victoria  Germanica  bezeugen,  —  ein  Beweis
der  unverschämten  Eitelkeit,  mit  der  damals  die  Kaiser  ihre  Schwäche
und  Schlechtigkeit  zu  verdecken  suchten.  Ungewiss  ist  es,  ob  Claudius ­
  Gothicus  oder  Aurelianus  den  Markomannen  die  Herrschaft  über
jenen  Landstrich  wieder  entriss;  wahrscheinlich  letzterer,  der
durch  seine  glänzenden  Siege  über  die  germanischen  Völker,  die
alten  Donaugrenzen  wieder  herstellte  *),  und  mit  Recht  durfte  sich
dieser  tapfere  Fürst  den  Titel  eines  Herstellers  des  Friedens  und  des
Reiches  beilegen  a ).
Unter  der  Regierung  Diocletian’s,  der  sich  den  tapfern  Maximianus
  zum  Augustus  (Mitregenten)  wählte  (286  n.  Chr.),  dann,
6  Jahre  später  noch  den  Galerius,  einen  Hirten  aus  Mösien  und
Constantius  Cldorus  zu  Cäsaren  annahm,  wurde  das  Reich  in  vier
Theile  getheilt;  dem  Galerius  fiel  nebst  Illyricum  und  Noricum  auch
Pannonien  zu,  dessen  westlicher  Tlieil  von  Valeria,  der  Lieblings-Tochter
  Diocletian’s  und  Gemahlinn  des  Galerius  seinen  neuen  Namen
Pannonia  Valeria  erhielt 3 ).  Galerius  scheint  nun  oft  in  Carnuntum
geweilt  zu  haben.  Im  J.  303  dankteDiocletian  ab;  der  rohe  Galerius
konnte  sieb  nicht  in  Italien  behaupten,  er  war  nicht  der  Mann,  der
den  furchtbar  verwirrten  Knoten  zu  lösen  im  Stande  gewesen  wäre;
er  kehrte  in  seine  Provinz  zurück,  nach  Carnunt,  wo  er  mit  Diocletian ­
  und  Maximian  zusammentraf  (307).  Diese  Kaiser  mit  ihren  Cäsaren ­
  hatten  schon  früher  daselbst  das  Heiligthum  des  Mithras  hergestellt ­
  (s.  Ins  chr.  Nr.  VII),  wie  man  denn  überhaupt  in  dieser  Zeit
des  Verfalls  der  heidnischen  Religion,  bei  der  innern  Leere  des  Gemiiths
  mit  Ängstlichkeit  nach  irgend  einem  festen  Anhaltspuncte
suchte,  daher  man  mit  Vorliebe  fremde,  namentlich  orientalische
Mythen  aufnahm.  Andrerseits  suchte  man  die  mystischen  Culte  als
Gegengewicht  gegen  das,  trotz  der  wüthenden  Verfolgungen  unauf-[)

  Vgl.  Severini,  in  Commentat.  hist,  de  vet.  incol.  Hungar.  Dannb.  Sopron.
  1761.
2 )  So  die  Münzen  mit:  PACATOR  ORBIS  —  RESTITVTOR  ORBIS  etc.
3 )  Auch  bloss  Valeria  genannt,  wie  bei  Ammian.  Marcell.,  LXIX:  „Valerium
  venit  Constantius,  pariem  quamdam  Pannoniae,  sed  ad  honorem
Diocletianae  filiae  et  institutam  et  cognominutam,"
            
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