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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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und  das  jus  Italicum—  ausschliesslich  der  Colonie  zukam;  auch
konnten  die  Einwohner  mit  grösserer  Freiheit  ihre  eigenen  Sitten
annehmen.  Nach  dem  3.  Jahrhundert  verschwand  der  Unterschied
zwischen  Colonie  und  Municipium  immer  mehr  und  öfter  findet  sich
ein  Ausdruck  für  den  andern  gebraucht.
Kehren  wir  nach  dieser  Abschweifung  wieder  zur  Geschichte
unserer  Stadt  zurück.
Nachdem  Mare  Aurel  seine  Legionen  hinlänglich  verstärkt
hatte,  führte  er  das  Heer  auf  Schiffbrücken  über  die  Donau,  und
drang  im  Lande  der  Quaden  vor  die  ersten  Gefechte  waren  siegreich, ­
  jedoch  setzte  der  Wassermangel  bei  der  grossen  Hitze  den
Soldaten  arg  zu,  und  fast  wäre  das  vom  Feinde  schon  eingeschlossene ­
  Heer  dadurch  aufgerieben  worden,  hätten  ihm  nicht  häufige
Regengüsse  Erquickung  und  Labung  geboten,  wodurch  es  gestärkt
wurde,  dem  durch  die  Furchtbarkeit  des  Elementar-Ereignisses  erschreckten ­
  Feinde,  der  sich  zur  Flucht  wandte,  nachzusetzen,  und
so  einen  glänzenden  Sieg  zu  erringen  3 ).  Siegreich  führte  der  Kaiser
seine  Sehaaren  über  die  Donau  zurück.
Marc  Aurels  unwürdiger  Nachfolger  Commodus  schloss  einen
für  Rom  keineswegs  vortheilhaften  Frieden  mit  den  Barbaren,  nur  um
desto  ungestörter  seinen  zügellosen  Leidenschaften  nachhängen  zu
können;  er  fiel,  allgemein  wegen  seines  Ühermuthes  und  seiner
Verschwendung  verhasst,  durch  seine  eigene  Umgebung  und  die
Unzufriedenheit  der  Prätorianer  (wie  Aelius  Lampridius  Ant.  17
erzählt).  Nicht  lange  konnte  sich  der  durch  die  Mörder  des  Commodus

*)  Die  wichtigsten  Momente  dieses  Feldzugs  sind  höchst  lebendig  und  wahrhaft
dramatisch  auf  der  Columna  Antoniniana  (in  Kupfer  gestochen  von  P.  S.
Bartoli)  dargestellt.  So  der  Auszug  aus  Carnunt  und  alle  weiteren  Momente
des  Kriegs.
a )  P.  örosius  (L.  VII.  c.  15)  betrachtet  dieses  Ereigniss  als  ein  Wunder,
welches  auf  die  Anrufung  des  Namens  Christi  durch  einige  milesische,
christliche  Soldaten,  die  sich  im  Heere  des  Kaisers  befanden,  geschah.
(S.  Xiphilinus  in  Antonio  philos.)  Vgl.  auch  Eusebius,  Hist.  eccl.  L.  V,
c.  5  und  Tertulliani  Apologet  c.V).  —Trefflich,höchst  sinnig  und  poefisch
ist  es  auf  der  Columna  Antoniniana  dargestellt  (Bellori,  15),  wo  der  triefende
Jupiter  Pluvius  eine  Hand  mild  gegen  die  Römer,  welche  seine  Gaben  begierig
auffangen,  ausstreckt,  furchtbar  und  verderblich  die  andere  gegen  die  Barbaren. ­

            
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