Die römische Stadt Carnuntum. (j? 1
über Vorsehung, Pflichterfüllung, menschliche Schwäche und Vergänglichkeit
*).
Wahrscheinlich in diese Zeit fällt auch die Umwandlung des
Municipiums Carnuntum in eine Colo nie. — Auf zwei Inschriftsteinen
wird Carnunt Colonie genannt, nämlich dem von Decurio C.
Jul. Magnus dem P. Claud. Repentinus errichteten Denksteine (Inschr.
Nr. II.); und einem sehr schönen, zu Stix-Neusiedl gefundenen
Mithras-Monumente 3 ), welches unter der gewöhnlichen Vorstellung
des Mithras, der dem Stier den Dolch in den Nacken stösst, zu
beiden Seiten die Genien des Auf- und Unterganges, folgende Inschrift
zeigt:
D. IN. M. S. PRO. S. AVG. N. N. L. SEP.
VALERIUS. ET. VALERIANVS. SEX. COL. E.
V. S. L. M.
d. i. Deo Invicto Milhrae Soli pro salute Auyustorum nostrorum
Lucius Septimius Valerius et Valerianus, Sexviri coloniae Iiarnunti
Vota, soloerunt lubentes merito. Es kommen also hier A u g u s t i
vor. Die ersten, welche diesen Titel führten, waren M. Aurel und
L. Verus vom J. 1G9 an, dann derselbe Kaiser mit seinem Sohne
Commodus, in späterer Zeit wurde er ganz allgemein für die Kaiser
und die meistens angenommenen Mitregenten. Die Abkürzung AUGG
(bisweilen auch, wie in obiger Inschrift mit Weglassung des zweiten
G) kommt, wenigstens auf Münzen erst von Sept. Severus an
[ ) Dan erste Buch verfasste er im Quadenlaade an der Gran (rä iv Kovidoig
Tcpog zü) Tpavoua). Die übrigen Bücher sind nicht bezeichnet.
2 ) Jm Jahre 1816 wurden hier die Grundmauern eines kleinen Tempels aufgegraben
und innerhalb derselben obiges Denkmal des Gottes Mithras gefunden,
dabei noch zwei Cippi und ein Tnschriftstein. Die Inschrift des grösseren
Cippus:
INVIC.DEO.S...
PRO. S. IMP. L. SEP
VALERIVS . ET. VA
LERIANVS .TEMP
VETVST.CONL
INP.SVO.REST
zeigt, dass die auf dem Relief genannten Sexviri der Colonie Carnunt nicht
nur das Bild des Gottes machen, sondern auch den durch das Alter schon
verfallenen Tempel auf eigene Kosten wieder hersteilen Hessen. Die Imperatoren
sind vielleicht Sept. Severus und sein Sohn Caracalla. — (S. Steinbüchl
in Hormayr’s Archiv, Jahrg. 1816, S. 659, f.)