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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Freiherr  v.  Sacken.

Stadt  Carnus  die  Rede;  das  lllyrieum  des  Livius  ist  nicht  jenes
grosse  des  späteren  Strabo  und  der  Notitia  dignitatum  utriusgue
imperii,  sondern  das  eigentliche  lllyrieum,  zwischen  dem  adriatischen ­
  Meere  und  der  Save,  durch  welches  Land  auch  der  Consul
C.  Cassius  das  Heer  aus  dem  cisalpinischen  Gallien  nach  Macedonien
  führen  musste  4 )-  Es  ist  zudem  bekannt,  das  die  Römer  vor
Drusus  und  Tiberius  die  Donau  in  unsern  Gegenden  nicht  erreichten,
und  erst  diese  unterwarfen  Noricum  und  Pannonien  In  der  Geschichte ­
  erscheint  Carnuntum  das  erste  Mal  bei  Gelegenheit  des
grossen  Feldzuges,  den  Tiberius  gegen  den  ebenso  tapfern  und
klugen,  als  wegen  seines  unternehmenden  Geistes  zu  fürchtenden
Markomannen-König  Marbod  unternahm.  Dieser  widerstand,  nachdem ­
  schon  die  meisten  germanischen  Völker  jenseits  des  Rheins  und
der  Donau  bis  an  die  Weser  und  Elbe  hin  bezwungen  waren,  kräftig
den  römischen  Waffen.  Da  beschloss  Tiber  ihn  von  mehreren  Seiten
anzugreifen,  und,  während  dem  Consul  Sentius  Saturninus  die  Aufgabe ­
  gestellt  wurde,  sich  durch  den  hercynischen  Wald  durchzuhauen, ­
  und  die  Legionen  durch  die  Wohnsitze  der  Catten  gegen
Eoiohemum  zu  führen,  um  auf  diese  Art  in  die  Flanke  der  fnarkomannischen
  Macht  zu  agiren,  wollte  er  selbst  mit  dem  illyrischen
Heer—  12  Legionen  wurden  nach  Tacitus  (Ann.  II,  46)  dazu  verwendet— ­
  die  Hauptmacht  von  vorne  angreifen:  Ipse  a  Carnunto,
gui  locus  Norici  regni  proximus  ab  hac  garte  erat  3 )  exercitum,
  gui  in  Illgrico  merebat,  duccre  in  Marcomannos  orsas
est(Vellej.  Paterc.  I.  II.  c.  109J.  Das  Unternehmen  scheiterte ­
  aber  durch  den  allgemeinen  Aufstand  der  Pannonier  und  der
mit  ihnen  verbündeten  Dalmater  im  Rücken  des  römischen  Heeres,
der  den  Tiberius  nöthigte  mit  Marbod  einen  durchaus  nicht  sehr
vortheilhaften  Vergleich  zu  schliessen.
*)  Livius  1.  c.
3 )  Ersteres  i.  J.  13  v.  Clir.  nach  furchtbaren  Kämpfen  mit  den  Einwohnern,  die
sich  verzweifelt  um  ihre  Unabhängigkeit  wehrten  in  einem  einzigen  Sommer, ­
  vereint  mit  P.  Silius.  (Dio  Cass.  LIV,  20  und  Str  ab  o  IV,  pag.  206.)
Pannonien  war  schon  früher  durch  C.  Vibius  grossentheils  der  römischen
Herrschaft  unterworfen,  jedoch  gilt  dies  mehr  nur  von  den  südlichen  Theilen
(Flor.  IV,  12,  8);  auch  waren  sie  beständig  in  Aufruhr,  so  dass  man  die
eigentliche  Unterwerfung  des  Landes  erst  dem  Tiberius  zuschreiben  kann.
3 )  Fünf  Tagereisen  von  den  Grenzen  des  Marbodischen  Reichs.  (Vgl.  Männert,
Geogr.  III.  S.  146.)
            
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