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Freiherr v. Sacken.
Stadt Carnus die Rede; das lllyrieum des Livius ist nicht jenes
grosse des späteren Strabo und der Notitia dignitatum utriusgue
imperii, sondern das eigentliche lllyrieum, zwischen dem adriatischen
Meere und der Save, durch welches Land auch der Consul
C. Cassius das Heer aus dem cisalpinischen Gallien nach Macedonien
führen musste 4 )- Es ist zudem bekannt, das die Römer vor
Drusus und Tiberius die Donau in unsern Gegenden nicht erreichten,
und erst diese unterwarfen Noricum und Pannonien In der Geschichte
erscheint Carnuntum das erste Mal bei Gelegenheit des
grossen Feldzuges, den Tiberius gegen den ebenso tapfern und
klugen, als wegen seines unternehmenden Geistes zu fürchtenden
Markomannen-König Marbod unternahm. Dieser widerstand, nachdem
schon die meisten germanischen Völker jenseits des Rheins und
der Donau bis an die Weser und Elbe hin bezwungen waren, kräftig
den römischen Waffen. Da beschloss Tiber ihn von mehreren Seiten
anzugreifen, und, während dem Consul Sentius Saturninus die Aufgabe
gestellt wurde, sich durch den hercynischen Wald durchzuhauen,
und die Legionen durch die Wohnsitze der Catten gegen
Eoiohemum zu führen, um auf diese Art in die Flanke der fnarkomannischen
Macht zu agiren, wollte er selbst mit dem illyrischen
Heer— 12 Legionen wurden nach Tacitus (Ann. II, 46) dazu verwendet—
die Hauptmacht von vorne angreifen: Ipse a Carnunto,
gui locus Norici regni proximus ab hac garte erat 3 ) exercitum,
gui in Illgrico merebat, duccre in Marcomannos orsas
est(Vellej. Paterc. I. II. c. 109J. Das Unternehmen scheiterte
aber durch den allgemeinen Aufstand der Pannonier und der
mit ihnen verbündeten Dalmater im Rücken des römischen Heeres,
der den Tiberius nöthigte mit Marbod einen durchaus nicht sehr
vortheilhaften Vergleich zu schliessen.
*) Livius 1. c.
3 ) Ersteres i. J. 13 v. Clir. nach furchtbaren Kämpfen mit den Einwohnern, die
sich verzweifelt um ihre Unabhängigkeit wehrten in einem einzigen Sommer,
vereint mit P. Silius. (Dio Cass. LIV, 20 und Str ab o IV, pag. 206.)
Pannonien war schon früher durch C. Vibius grossentheils der römischen
Herrschaft unterworfen, jedoch gilt dies mehr nur von den südlichen Theilen
(Flor. IV, 12, 8); auch waren sie beständig in Aufruhr, so dass man die
eigentliche Unterwerfung des Landes erst dem Tiberius zuschreiben kann.
3 ) Fünf Tagereisen von den Grenzen des Marbodischen Reichs. (Vgl. Männert,
Geogr. III. S. 146.)