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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Die  römische  Stadt  Carnuntum.

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harnischen  Alpen  hinaus  nach  Noricum  ausbreiteten.  L  i  v  i  u  s
(L.  XLVIII.,  c.  3.)  sagt  ausdrücklich:  Carni,  quondam.  Taurisci,
tune  Norici,  und  Strabo  nennt  unter  den  norisch-keltischen  Völkern
auch  die  xäpvoi.  —  Es  mag  wohl  ein  mehr  als  bloss  nomineller  Zusammenhang ­
  zwischen  diesem  Volke  und  Carnuntum  Statt  finden  i).
Im  Lande  der  Carni  scheint  aber  auch  eine  Stadt  Carnus  (genit.
  Carnuntis)  gewesen  zu  sein,  von  der  Livius  (L.  XLIII.,  c.  1)
hei  Gelegenheit  der  römischen  Unternehmungen  gegen  Macedonien
spricht:  „Eadem  aestate  2 ),  qua  in  Tliessalia  equestri  pugna
vicere  Romani,  legatus,  in  Illyricum  a  consule  missus,  opulenta
duo  oppida  vi  atque  armis  coegit  in  deditionem,  omniaque  Hs
sua  concessit,  ut  opinione  clementiae  eos,  qui  C  a  r  nu  nt  ein  8 )
munitam  urbem  incolebant,  adliceret;  postquam  nec,  ut
dederent  se,  compellere,  neque  capere  obsidendo  poterat,  ne
duabus  oppugnationibus  nequidquam  fatigatus  miles  esset,
quas  prius  intactas  urbes  rcliquerat,  diripuit  4 ).  Es  wäre
schwer  zu  begreifen,  wie  die  Römer  bei  der  Bekriegung  Macedoniens
  (zu  der  auch,  wie  aus  dem  Folgenden  hervorgeht  jener  Zug
des  Legaten  —  Q.  Mucius  (?)  —  diente),  unser  an  der  Donau  gelegenes ­
  Carnuntum  einzunehmen  gebraucht  hätten,  da  es  doch  mit
Macedonien  in  keinem  Zusammenhänge  stand,  und  das  ganze,  ungeheure ­
  Noricum  oder  Pannonien,  damals  noch  sehr  wild  und  von  einem
noch  unbezwungenen  Volke  bewohnt,  sich  dazwischen  ausdehnte.
Hier  ist  also  wahrscheinlich  von  einer  carnischen  oder  illyrischen

’)
2 )
3 )
4 )

Vgl.  Diefenbach,  Celtica,  II,  S.  131  und  S.  320.
538  a.  u.  c.,  215  v.  Chr.
Nach  allen  MSS.  und  den  besten  Ausgaben  ist  liier  Carnuntem,  nicht,  wie
einige  haben,  Carnuntum  zu  lesen.
Diese  Stelle  hat  mehrere  (wie  Cluver,  Lambeck  u.  a.)  veranlasst  anzunehmen,
<las  unser  Carnuntum  an  der  Donau  schon  damals  von  den  Römern  belagert
worden  sei.  Die  Schreibweise  unsers  Carnuntums  ist  übrigens  schwankend.
Ptolemaeus  hat  xafivovg,  Plinius  Carnutum  und  Carnuntum,  Aur.
Victor  und  Zosimus  Carnutum,  P.  Orosius  Carnotum,  die  übrigen
Schriftsteller  Carnuntum.  —  In  späterer  Zeit  wurde  dieser  Name  endlich  für
Carantanum,  Kärnten  gebraucht;  Paulus  Diaconus  (V.  25)  sagt  sogar
ausdrücklich,  als  Cr  die  Flucht  Warnefried’s  erzählt:  v fugit  ad  sclavorum
gentem  in  Carnuntum,  guod  corrupte  vocitant  Carantanum."  Und  Carlmann
  erhielt  bei  der  Theilupg  des  Reichs  876:  Bojar!am,  Pannoniatn  et  Car-'
nnntum,  guod  corrupte  dicitur  Carantanum.
            
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