Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

640

Joseph  Chmel.

Otto  Markgraf  von  Brandenburg  bei  sich  batte.  Wenn  also  sein
Willebrief  fehlt,  so  ist  das  gar  nicht  auffallend,  es  wäre  vielmehr
auffallend,  wenn  sein  Willebrief  damals  schon  aufgefuhrt  würde,  das
müsste  billig  Verdacht  gegen  seine  Echtheit  erregen.  Böhmer  hat
das  Richtige  (s.  Regesten  S.  118  zw.  720  und  721).
Am  23.  Mai  1283  kam  König  Wenzel  in  sein  Land,  seines
so  lästigen  Vormunds  ledig.
Er  war  der  Verlobte  der  JPrincessinn  Guta,  K.  Rudolfs  Tochter,
die  Vermählung  ward  1286  zwar  erst  vollzogen,  aber  die  Verbindung
mit  seinem  künftigen  Schwiegersöhne  hatte  König  Rudolf  stets  lebhaft
unterhalten,  vom  Beginn  seiner  Unabhängigkeit  von  einem  verhassten
Vormund.
In  der  Urkunde  vom  11.  Juni  1283  wird  seine  Zustimmung  zur
Privilegienbestätigung  angeführt  als  erster  Beweis  seiner  Anerkennung
als  unabhängig.  —  Ist  das  verdächtig?  Und  dass  er  als  König/m'wro
loco  steht  (und  als  künftiger  Schwiegersohn)  ist  ganz  natürlich,  es
gebührt  ihm  dieser  Platz.
Wenn  Herr  Wattenbach  sagt:  „vielmehr  war  dessen  (des  Königs
von  Böhmen)  Kurstimme  damals  noch  gar  nicht  anerkannt”,  so  ist
diese  Äusserung  nicht  ganz  richtig.  Die  Kurstimme  Böhmens  wurde
nicht  von  Seite  des  Reiehsoberhauptes  in  Zweifel  gestellt,  im  Gegentheile
  schon  aus  Politik  war  der  Schwiegervater  für  König  Wenzels
Anspruch  auf  die  Kurstimme.
Da  König  Rudolf  bekanntlich  seinem  Sohne  Albrecht  die  Nachfolge ­
  im  Reich  verschaffen  wollte  und  sich  die  Stimmen  der  Wahlfürsten ­
  zu  gewinnen  suchte,  wurde  der  frühere  Streit,  der  bei  der
Wahl  Rudolfs  sich  erhoben  hatte,  wieder  erneuert.  t)
Um  aller  Ungewissheit  mit  einem  Male  ein  Ende  zu  machen,
liess  König  Rudolf  das  ganze  Verhältniss  Böhmens  und  seines  Königs
gegen  das  deutsche  Reich  und  die  Ansprüche  desselben  auf  eine
Wahlstimme,  genau  untersuchen.  Das  geschah  hei  Gelegenheit  der
Belehnung  Wenzels,  im  Februar  1289.  Das  Ergebniss  der  Untersu-1

 )  Man  wollte  ohne  Zweifel  die  Partei  des  römischen  Königs  möglichst  schwächen
um  die  Erblichkeit  der  deutschen  Reichskrone  zn  verhindern,  es  sollte  zu  diesem ­
  Ende  auch  die  Kurstimme  Böhmens  ihm  entzogen  werden;  auf  der  andern
Seite  suchte  natürlich  König  Rudolf  diese  Stimme,  auf  die  er  rechnen  konnte
um  jeden  Preis  zu  behaupten.  Das  Ganze  war  eigentlich  kein  Rechtshand  el.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.