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Joseph Chmel.
Otto Markgraf von Brandenburg bei sich batte. Wenn also sein
Willebrief fehlt, so ist das gar nicht auffallend, es wäre vielmehr
auffallend, wenn sein Willebrief damals schon aufgefuhrt würde, das
müsste billig Verdacht gegen seine Echtheit erregen. Böhmer hat
das Richtige (s. Regesten S. 118 zw. 720 und 721).
Am 23. Mai 1283 kam König Wenzel in sein Land, seines
so lästigen Vormunds ledig.
Er war der Verlobte der JPrincessinn Guta, K. Rudolfs Tochter,
die Vermählung ward 1286 zwar erst vollzogen, aber die Verbindung
mit seinem künftigen Schwiegersöhne hatte König Rudolf stets lebhaft
unterhalten, vom Beginn seiner Unabhängigkeit von einem verhassten
Vormund.
In der Urkunde vom 11. Juni 1283 wird seine Zustimmung zur
Privilegienbestätigung angeführt als erster Beweis seiner Anerkennung
als unabhängig. — Ist das verdächtig? Und dass er als König/m'wro
loco steht (und als künftiger Schwiegersohn) ist ganz natürlich, es
gebührt ihm dieser Platz.
Wenn Herr Wattenbach sagt: „vielmehr war dessen (des Königs
von Böhmen) Kurstimme damals noch gar nicht anerkannt”, so ist
diese Äusserung nicht ganz richtig. Die Kurstimme Böhmens wurde
nicht von Seite des Reiehsoberhauptes in Zweifel gestellt, im Gegentheile
schon aus Politik war der Schwiegervater für König Wenzels
Anspruch auf die Kurstimme.
Da König Rudolf bekanntlich seinem Sohne Albrecht die Nachfolge
im Reich verschaffen wollte und sich die Stimmen der Wahlfürsten
zu gewinnen suchte, wurde der frühere Streit, der bei der
Wahl Rudolfs sich erhoben hatte, wieder erneuert. t)
Um aller Ungewissheit mit einem Male ein Ende zu machen,
liess König Rudolf das ganze Verhältniss Böhmens und seines Königs
gegen das deutsche Reich und die Ansprüche desselben auf eine
Wahlstimme, genau untersuchen. Das geschah hei Gelegenheit der
Belehnung Wenzels, im Februar 1289. Das Ergebniss der Untersu-1
) Man wollte ohne Zweifel die Partei des römischen Königs möglichst schwächen
um die Erblichkeit der deutschen Reichskrone zn verhindern, es sollte zu diesem
Ende auch die Kurstimme Böhmens ihm entzogen werden; auf der andern
Seite suchte natürlich König Rudolf diese Stimme, auf die er rechnen konnte
um jeden Preis zu behaupten. Das Ganze war eigentlich kein Rechtshand el.