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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Über  den  Ursprung'  des  Privilegium  Fridericianum  majus.

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Auf  diese  „exorbitanten”  Vorrechte  des  Herzogs  von  Österreich ­
  und  des  Landes  selbst  muss  man  seine  Aufmerksamkeit  richten,
wenn  man  die  Zeit  des  Ursprunges  dieses  majus  ermitteln  will.
Auch  Wattenbach  verfällt  in  seiner  Abhandlung  in  den  unbegreiflichen ­
  Irrthum,  wie  so  viele  Ändere,  dass  die  Gerechtsame  des
minus  dieselben  seien  im  Grunde,  wie  die  des  majus,  dass
das  letztere  nur  eine  Paraphrase  des  ersteren  sei.  1 )
Ich  glaube  in  meinem  „Versuche  einer  Begründung  meiner
Hypothese”  S.  16  bis  24  nachgewiesen  zu  haben,  dass  das  majus
himmelweit  verschieden  sei  von  dem  minus.
Der  Zweck  des  majus  war,  dem  Herzoge  und  allen  seinen  Landen ­
  eine  vom  Reiche  ganz  unabhängige  Stellung  zu  verschaffen,
das  wird  man  durch  alle  möglichen  Torturen  und  Auslegungen  des
•minus  nie  herausbringen  können!
Sämmtliche  Lande  des  österreichischen  Herzogs  (Landesherrn) ­
  sollen  ein  territorium  clausum  bilden,  von  welchem  er
der  einzige  Herr  ist!
Das  war  aber  das  Streben  König  Ottokars,  ganz  besonders  seit
der  Wahl  König  Rudolfs.
Nachdem  er  sah,  dass  die  so  ganz  verschollene  und  durch  die
letzten  Träger  herabgewürdigte  römisch-deutsche  Krone  zu  neuer
Macht  und  Bedeutung  erhoben  werden  und  er  von  derselben  ausgeschlossen ­
  bleiben  sollte,  war  es  ihm  darum  zu  thun,  sich  eine  vom
römisch-  deutschen  Reiche  möglichst  unabhängige
Stellung  zu  erringen  und  zugleich  sich  den  Besitz  derLänder
zu  sichern,  welche  als  Reichslehen  demnächst  entweder  zu  empfangen
oder  vielleicht  gar  als  heimgefallen  abzutreten  waren.
In  diese  Zeit  fällt  die  Unterschiebung  des  majus,  dabei  bleibe
ich,  ich  stelle  diesen  Satz  nicht  mehr  als  „Hyp  o  thes  e”  auf,  sondern
als  eine  „historische  Wahrheit”,  von  der  ich  mich  überzeugt

*)  S.  Archiv  für  Kunde  österreichischer  Gescliichtsquellen,  Bd.  VIII.  S.  94  sagt
er:  „Die  Gründe  dieser  Ansicht  (meiner  vom  otlokarisclien  Ursprünge  des
majus)  kenne  ich  nicht,  und  muss  gestehen,  dass  sie  mir  durchaus  unwahrscheinlich ­
  vorkommt.  Ottokars  Bestreben  ging  ja  nicht  dahin,  für  Österreich
so  ganz  besonders  Rechte  in  Anspruch  zu  nehmen  (?)  sondern  vielmehr  nur,
sich  seihst  einen  Rechtstitel  für  den  B  esi  tz  Österreichs  zu  verschaffen.  Es
findet  sich  aber  in  den  Privilegien  nichts,  was  nicht  auch
schon  im  minus  zu  lesen  war  e,”  Sic!
            
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