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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Über  die  Erfolge  seiner  nach  Litauen  unternommenen

wissenschaftl.  Reise.  549

Ob  man  sich  die  Laima  noch  personiticirt  denke,  ist  nicht  klai.
Laima  ist  das  vorlier  bestimmte  Schicksal.  Laimeti  heisst  gewinnen,
palaimings  glücklich,  palaima  Glück,  nepalaima,  das  Gegentheil
vom  Glück  (nicht  aber  positives  Unglück),  nelaimings  und  nepalaimings,
  der  kein  Glück  hat.  Man  sagt  auch  nepalaimings  mets  ein
Jahr  ohne  Glück.
Giltine  ist  die  personificirte  Todesgöttinn;  giltine  gilt  als  der
crasseste  Name  für  smertes  Tod.  Durch  die  neueren  Abbildungen  des
Todes  mit  der  Sense,  mag  ihr  dieses  Attribut  geworden  sein.  Giltine
pasüko,  die  Giltine  hat  ihn  abgedreht,  oder  smäuge  gewürgt.  Sie
ist  nicht  zu  sehen.  Ygl.  N.  pr.  Provbl.  Bl.  VIII,  471,  eine  Notiz  ■vom
Pfarrer  Jordan  über  diese  Göttinn.
Perküns  ist  jetzt  bloss  der  Donner,  nicht  mehr  der  Gott,
perkünija  das  Gewitter.  Gott  selbst  ist  im  Gewitter;  devs  baria
Gott  schilt,  sagt  man  vom  Gewitter.
Deive  ist  ein  Gespenst,  eine  abgeschiedene  Seele,  die  sich
zur  Strafe  herumtreiben  muss.  Sie  wandeln  nur  des  Nachts  zwischen
11  und  12  Uhr,  und  sind  weiss  gekleidet.  Sie  sprechen  nicht  und
kündigen  meist  einen  nahe  bevorstehenden  Todesfall  an.  Durch  das
Fenster  kommen  sie  nicht,  durch  die  Thüren  aber,  auch  wenn  diese
verschlossen  sind,  unverschlossene  öffnen  sie  wie  Menschen.
Hexen  gibt  es  noch  sehr  häufig;  der  ältere  Name  für  eine  dei  -
selben  ist  rägana,  er  ist  nicht  mehr  gebräuchlich.  Jetzt  heisst  eine
Hexe  zine,  ein  Hexenmeister  (ein  Mann  der  hexen  kann)  zinys
(d.  i.  Wisser,  Wisserinn,  Kundiger  von  der  Wurzel  zin,  zinoti,  wissen,
kennen).  Diese  Leute  haben  einen  geringen  Teufel  im  Besitze,  und
bedienen  sich  Zauberformeln,  von  denen  ich  jedoch  unmöglich  welche ­
  erfahren  kann,  da  sie  sehr  geheim  gehalten  werden;  mit  dei
Überlieferung  derselben  erlischt  ihre  Wirksamkeit.  Höher  rangirte
Teufeln  sind  im  Dienste  einer  höher  stehenden  Classe  von  Zaubeietn,
der  däktars  (Doctoren).  Der  daktars  zwingt  mit  seinem  ieulel
den  geringeren  Teufel  der  zine  und  des  zinys,  er  bringt  daher  Hilfe
gegen  den  Schaden,  den  letztere  besonders  am  Wehe  anrichten.
Gewöhnlich  befiehlt  er  eine  Zeit  hindurch  (etwa  eine  Woche  lang)
nichts  zu  verleihen;  leiht  man  etwas  aus  ,  so  ist  keine  Hülfe  möglich. ­
  Das  weiss  die  zine  oder  der  zinys  auch  recht  wohl,  dieser
wird  also  suchen  sich  etwas  von  den  Bezauberten  zu  entlehnen,  und
daher  gilt  es  als  Kegel,  dass,  wer  in  der  vom  daktars  bezeichneten
            
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