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Prof. Schleicher.
wird dieselbe nach vorausgegangenem Handkusse gebraucht. Durchaus
als unpassende Neuerung erscheint das aus dem Deutschen entlehnte
jus, ihr; die dritte Person plur. ist aber als Anrede ganz unerhört.
Aus allem bisher angedeuteten geht deutlich hervor, dass die
Litauer, trotzdem dass sie täglich mehr zusammenschmelzen, dennoch
sehr viel Alterthümliches, ihnen allein Eigenthümliches, erhalten
haben. Dieselbe Erscheinung zeigt sich in ihrer Sprache. Obgleich
dieselbe, was den Wortvorrath betrifft, auf eine enge Sphäre beschränkt
ist, (innerhalb derselben ist sie freilich sehr reich zu nennen) und
sich namentlich viel slawischer Worte bedient, so steht sie doch
lautlich, wie überhaupt grammatisch, meist noch auf einer sehr alterthümlichen
Stufe der Entwickelung. Das Litauische ist die alterthümlichste
unter sämmtlichen noch lebenden Sprachen indogermanischen
Stammes und eben desshalb so ausserordentlich wichtig
und werthvoll für die Erklärung verwandter Sprachen, also zumal
des am nächsten mit dem Litauischen verwandten Slawischen.
Das Lautsystem des Litauischen ist sehr reich, und weicht
namentlich in den Consonanten sehr stark vom Deutschen ab, sich
dem Slawischen zuneigend; in den Vocalen unterscheidet es sich
namentlich durch die Diphthongen stark vom Slawischen.
Consonanten und Vocale stehen in Wechselwirkung zu einander;
nach gewissen Consonanten wird die Aussprache der Vocale modificirt,
so wie umgekehrt die der Consonanten, wenn der Vocal nach
ihnen wechselt. Doch sind diese Unterschiede noch nicht so stark,
wie z. B. im Slawischen (bj'bk-'b, aber: bjcbu-h), so dass sie in der
Schrift nicht bezeichnet werden. Die feine Aussprache, d. h. die der
echt litauischen Bauern, lässt diese Unterschiede sehr wohl hören,
viele Deutsche behaupten jedoch nicht viel davon zu vernehmen; auch
versteht es wohl der Litauer, wenn man so spricht, wie gedruckt
steht, —• er ist ja überhaupt schon daran gewöhnt seine Sprache
misshandelt zu hören — und mehr will man hier zu Lande mit dem
Litauischen gewöhnlich nicht erreichen, als sich verständlich machen
zu können. In der That ist aber die Aussprache des Litauischen höchst
schwierig und mir würde es nie gelungen sein diese Schwierigkeiten
einigermassen zu überwinden, die Gesetze der Aussprache zu erkennen,
wenn ich nicht das Slawische zuvor studirt hätte. Nur vom
Standpuncte des Slawischen aus kann die litauische Grammatik aufgestellt,
oder, was dem vorausgehen muss, der Bau der litauischen