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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Schleicher.

wird  dieselbe  nach  vorausgegangenem  Handkusse  gebraucht.  Durchaus
als  unpassende  Neuerung  erscheint  das  aus  dem  Deutschen  entlehnte
jus,  ihr;  die  dritte  Person  plur.  ist  aber  als  Anrede  ganz  unerhört.
Aus  allem  bisher  angedeuteten  geht  deutlich  hervor,  dass  die
Litauer,  trotzdem  dass  sie  täglich  mehr  zusammenschmelzen,  dennoch
sehr  viel  Alterthümliches,  ihnen  allein  Eigenthümliches,  erhalten
haben.  Dieselbe  Erscheinung  zeigt  sich  in  ihrer  Sprache.  Obgleich
dieselbe,  was  den  Wortvorrath  betrifft,  auf  eine  enge  Sphäre  beschränkt
ist,  (innerhalb  derselben  ist  sie  freilich  sehr  reich  zu  nennen)  und
sich  namentlich  viel  slawischer  Worte  bedient,  so  steht  sie  doch
lautlich,  wie  überhaupt  grammatisch,  meist  noch  auf  einer  sehr  alterthümlichen
  Stufe  der  Entwickelung.  Das  Litauische  ist  die  alterthümlichste
  unter  sämmtlichen  noch  lebenden  Sprachen  indogermanischen ­
  Stammes  und  eben  desshalb  so  ausserordentlich  wichtig
und  werthvoll  für  die  Erklärung  verwandter  Sprachen,  also  zumal
des  am  nächsten  mit  dem  Litauischen  verwandten  Slawischen.
Das  Lautsystem  des  Litauischen  ist  sehr  reich,  und  weicht
namentlich  in  den  Consonanten  sehr  stark  vom  Deutschen  ab,  sich
dem  Slawischen  zuneigend;  in  den  Vocalen  unterscheidet  es  sich
namentlich  durch  die  Diphthongen  stark  vom  Slawischen.
Consonanten  und  Vocale  stehen  in  Wechselwirkung  zu  einander;
nach  gewissen  Consonanten  wird  die  Aussprache  der  Vocale  modificirt,
  so  wie  umgekehrt  die  der  Consonanten,  wenn  der  Vocal  nach
ihnen  wechselt.  Doch  sind  diese  Unterschiede  noch  nicht  so  stark,
wie  z.  B.  im  Slawischen  (bj'bk-'b,  aber:  bjcbu-h),  so  dass  sie  in  der
Schrift  nicht  bezeichnet  werden.  Die  feine  Aussprache,  d.  h.  die  der
echt  litauischen  Bauern,  lässt  diese  Unterschiede  sehr  wohl  hören,
viele  Deutsche  behaupten  jedoch  nicht  viel  davon  zu  vernehmen;  auch
versteht  es  wohl  der  Litauer,  wenn  man  so  spricht,  wie  gedruckt
steht,  —•  er  ist  ja  überhaupt  schon  daran  gewöhnt  seine  Sprache
misshandelt  zu  hören  —  und  mehr  will  man  hier  zu  Lande  mit  dem
Litauischen  gewöhnlich  nicht  erreichen,  als  sich  verständlich  machen
zu  können.  In  der  That  ist  aber  die  Aussprache  des  Litauischen  höchst
schwierig  und  mir  würde  es  nie  gelungen  sein  diese  Schwierigkeiten
einigermassen  zu  überwinden,  die  Gesetze  der  Aussprache  zu  erkennen, ­
  wenn  ich  nicht  das  Slawische  zuvor  studirt  hätte.  Nur  vom
Standpuncte  des  Slawischen  aus  kann  die  litauische  Grammatik  aufgestellt, ­
  oder,  was  dem  vorausgehen  muss,  der  Bau  der  litauischen
            
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