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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Schleicher.

longvm  est;  besonders  aber  auf  die  Stellung  des  Eingefreiten  im
Hause  seiner  Schwiegereltern,  die  oft  von  der  eines  Knechtes  oder
einer  Magd  nicht  wesentlich  verschieden  ist.  Mit  dem  Bräutigam
oder  der  Braut  wird  zugleich  die  ganze  Mitgift  derselben  auf  Wagen
in  das  zukünftige  Wohnhaus  derselben  mitgeführt.
Die  fremden  Gäste  *)  haben  bei  der  Hochzeitsfeier  immer  den
Vorrang  und  sitzen  nächst  dem  Brautpaare  am  Ehrenplätze  des
Tisches.  Einer  der  Gäste  wird  zum  Pons  (Herr)  oder  Karälius
(König)  des  Festes  gewählt,  Zeichen  seiner  Würde  ist  ein  mit
Blumen  und  Grün  beflochtene’ -  Stab:  Karäliszkoji  lazdä,  Königsstab.
Dieser  Festkönig  führt  das  Commando  und  mahnt  besonders  durch
immerwährendes  Klopfen  auf  den  Tisch  zu  fleissigem  Herbeischaffen
von  Alaus  und  Branntwein.  Als  besonderer  Witz  wird  es  betrachtet,
wenn  es  einem  der  Gegenpartei  (der  Gäste,  aus  deren  Mitte  der
Karalius  nicht  gewählt  ist)  gelingt  dem  Festkönige  sein  Scepter  zu
entwenden,  dann  gibt  es  viele  Neckereien  und  Spott  und  nur  nach
vielem  Bitten  und  auf  ein  angemessenes  Geschenk  hin  wird  ihm  sein
Insigne  wieder  ausgefolgt.  Dies  Geschenk  besteht  natürlich  aus  einer
grossen  Flasche  Schnaps.
Vor  der  Abreise  zur  Trauung  wird  ein  geistliches  Lied  gesungen, ­
  eben  so  nach  der  Rückkehr.  Sobald  der  Brautwagen  vor  der
Hausthüre  steht,  trägt  die  Mutter  der  Braut  derselben  ein  grosses
grobes  Brot  hinaus,  letzteres  nimmt  die  Braut  mit  sich  bis  an  ihren
Platz  beim  beste.  Während  desselben  wird  getanzt  und  fleissig
Dainos  gesungen,  letzteres  artet  jedoch,  wie  mir  ausdrücklich  versichert ­
  wird  und  wie  ich  nach  selbst  angehörten  ähnlichen  Feierlichkeiten ­
  gerne  glaube,  zuletzt  in  ein  wildes  Geschrei  aus,  da  jede
Partei  ihre  Daina  gegen  die  der  Gegenpartei  durchsetzen,  die  anderen ­
  überschreien  und  zum  Mitsingen  zwingen  will.
Am  Tage  nach  der  Trauung  Vormittags  wird  der  Braut  das
Haar  nach  Frauensitte  geflochten  und  ihr  das  bei  den  verheiratheten
h  rauen  übliche  Kopftuch  aufgebunden.  Sodann  muss  die  svoczä
(Mutter  der  Braut)  mit  ihren  Angehörigen,  selbstmitgebrachten
feinen  Schnaps,  hladen  oder  Braten  an  alle  Gäste  austheilen,  und
zwar  den  Branntwein  aus  einer  Schüssel  mit  dem  Löffel  mit  den
Worten:  Tai  marczos  äszaros  (das  sind  der  Braut  Thränen).  Die

)  d.  h.  die  von  dem  sich  einfreienden  Theile  geladenen  und  mitgebrachten.
            
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