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Prof. Schleicher.
longvm est; besonders aber auf die Stellung des Eingefreiten im
Hause seiner Schwiegereltern, die oft von der eines Knechtes oder
einer Magd nicht wesentlich verschieden ist. Mit dem Bräutigam
oder der Braut wird zugleich die ganze Mitgift derselben auf Wagen
in das zukünftige Wohnhaus derselben mitgeführt.
Die fremden Gäste *) haben bei der Hochzeitsfeier immer den
Vorrang und sitzen nächst dem Brautpaare am Ehrenplätze des
Tisches. Einer der Gäste wird zum Pons (Herr) oder Karälius
(König) des Festes gewählt, Zeichen seiner Würde ist ein mit
Blumen und Grün beflochtene’ - Stab: Karäliszkoji lazdä, Königsstab.
Dieser Festkönig führt das Commando und mahnt besonders durch
immerwährendes Klopfen auf den Tisch zu fleissigem Herbeischaffen
von Alaus und Branntwein. Als besonderer Witz wird es betrachtet,
wenn es einem der Gegenpartei (der Gäste, aus deren Mitte der
Karalius nicht gewählt ist) gelingt dem Festkönige sein Scepter zu
entwenden, dann gibt es viele Neckereien und Spott und nur nach
vielem Bitten und auf ein angemessenes Geschenk hin wird ihm sein
Insigne wieder ausgefolgt. Dies Geschenk besteht natürlich aus einer
grossen Flasche Schnaps.
Vor der Abreise zur Trauung wird ein geistliches Lied gesungen,
eben so nach der Rückkehr. Sobald der Brautwagen vor der
Hausthüre steht, trägt die Mutter der Braut derselben ein grosses
grobes Brot hinaus, letzteres nimmt die Braut mit sich bis an ihren
Platz beim beste. Während desselben wird getanzt und fleissig
Dainos gesungen, letzteres artet jedoch, wie mir ausdrücklich versichert
wird und wie ich nach selbst angehörten ähnlichen Feierlichkeiten
gerne glaube, zuletzt in ein wildes Geschrei aus, da jede
Partei ihre Daina gegen die der Gegenpartei durchsetzen, die anderen
überschreien und zum Mitsingen zwingen will.
Am Tage nach der Trauung Vormittags wird der Braut das
Haar nach Frauensitte geflochten und ihr das bei den verheiratheten
h rauen übliche Kopftuch aufgebunden. Sodann muss die svoczä
(Mutter der Braut) mit ihren Angehörigen, selbstmitgebrachten
feinen Schnaps, hladen oder Braten an alle Gäste austheilen, und
zwar den Branntwein aus einer Schüssel mit dem Löffel mit den
Worten: Tai marczos äszaros (das sind der Braut Thränen). Die
) d. h. die von dem sich einfreienden Theile geladenen und mitgebrachten.