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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Über  die  Erfolge  seiner  nach  Litauen  unternommenen

wissenschaftl.  Reise.  535

Platzmeister,  mein  kleines  Pferd.  Das  Pferd  hat  vier  Fiisse  und
stolpert  doch,  und  meine  einzige  Zunge  verspricht  sich  wohl  und
hilft  sich  auch  wieder  auf.  Doch  ich  bringe  guten  Tag  vom  Bräutigam
und  von  der  Braut,  und  lade  zur  Hochzeit  auf  Freitag  den  Martin
als  Trauzeugen  (j  svotus)  und  die  Anne  als  Trauzeuginn  (j  svoczes)
und  die  anderen  alle  auf  den  Abend,  wer  nur  Löffel,  Gabel  hebt  und
ein  Krüglein  Alaus  austrinkt.  Und  wenn  wir  reisen  werden  von  des
Hochzeitväterchens  Hause  ins  Gotteshaus,  aus  dem  Gotteshause
in  des  Königs  bunte  Schenke,  da  werden  wir  tanzen,  fröhlich  sein,
jeder  für  seinen  Groschen.  Und  wenn  wir  zurückgereist  aus  der
Schenke  in  des  Hochzeitvaters  Haus,  da  werden  sein  weisse  Tische,
bunte  Krüge,  beflochten  und  geschmückt  und  voll  Alaus.  Dort  werden ­
  wir  finden  Gebratenes  und  Gekochtes,  zu  Trinken  und  zu  Essen
und  für  unsere  Rosse  (zirgams;  arklys  ist  Pferd)  eschene  Stalldielen,
eichene  Krippen  voll  Hafer.  Ich  bin  nicht  weit  gereist,  nicht  viel
habe  ich  gelernt,  wenn  ich  weiter  reisen  werde,  werde  ich  mehr
erlernen.  Mir  jungem  Platzmeister  einen  stumenj;  wenn  keinen  stümenj
doch  ein  Handtuch;  wenn  kein  Handtuch,  ein  paar  Hosen;  wenn
keine  Hosen,  Hosenbänder;  wenn  keine  Hosenbänder,  ein  junges
Mädchen;  wenn  kein  junges  Mädchen,  ein  grünes  Blümchen  mir  an
den  Hut.  Mit  Gott,  mit  Gott  (Adieu),  meine  liehen  Freunde!”
Die  der  Hochzeit  vorausgehende  Verlobung  wird  auch  mit
vielen  vorgeschriebenen  und  streng  befolgten  Gebräuchen  eingeleitet ­
  und  vollzogen.  Die  Hauptsache  bei  der  Wahl  der  Gemahlinn
oder  des  Gemahls  ist  die  Habe  derselben,  nach  Neigung  wird  nicht
im  Mindesten  gefragt.  Dabei  wird  alles  aufs  Genaueste  ausgedungen,
und  mit  Recht  heisst  die  Verlobung  daher  an  vielen  Orten  derybos,
d.  i.  Feilsche  oder  Dingefest  von  derü,  derejau,  Dinge,  heilsche.
Einen  merklichen  Contrast  zu  dieser  Prosa  bilden  die  Tanzvergnügungen
  des  jungen  Volkes  in  der  Schenke,  jaunnnas  genannt,  wovon
ich,  als  mehrfacher  Augenzeuge,  versichern  kann,  dass  bei  Schnaps
und  einer  übelgelaunten  einzigen  Geige  die  persönlichen  Neigungen
oft  sehr  stark  hervortreten.
Beim  Hochzeitsfeste  seihst  ist  es  abermals  von  wesentlichem
Einflüsse,  ob  der  Bräutigam  sich  in  das  Erbe  der  Braut  hineinfreit,
oder  umgekehrt;  schon  desshalb,  weil  der  Wohnort  des  jungen
Paares  dadurch  bedingt  ist;  indessen  hat  dies  auch  Einfluss  auf
die  Gebräuche  bei  der  Hochzeit  selbst,  quae  omnia  enarrare
            
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