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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Über  die  Erfolge  seiner  nach  Litauen  unternommenen  wissenschaftl.  Heise,  i)  3  3
lung  u.  s.  w.”.  Danzig  1744  *)  „unser  Littau  kann  nur  Schreien,
Schwelgen,  Fressen  gleich  den  Säuen,”  denn  es  geht  da  wirklich
toll  zu.  Der  Trauer  wird  völlig  vergessen.  Der  Geist  des  Verstorbenen ­
  speist  Abends  nach  seiner  Bestattung  mit  den  Gästen,  nimmt
auch  nach  dem  Tischgebete  mit  einem  Kusse  säuberlich  von  allen
Anwesenden  Abschied  (der  Kuss  ist  schon  unter  halbweges  bekannten ­
  die  gebräuchliche  Begrüssung),  wer  ihn  aber  sieht,  muss  ihn
auf  den  Kirchhof  tragen.  Mir  sind  zwei  Männer  bezeichnet  worden,
die  diese  Eigenschaft  haben;  um  den  Todten  nicht  tragen  zu  müssen,
kommen  sie  aber  erst  nach  dem  Abendessen  auf  die  Leichenfeier,
und  dann  ist  der  Verstorbene  leider  schon  gegangen.  Wo  es  noch
recht  alterthümlich  hergeht,  da  kochen  zwei  alte  Bauern  des  Dorfes
die  Begräbnissmahlzeit  und  zwar  nicht  im  Hause,  sondern  im  Garten.
Da  solches  Kochen  Tage  lang  fortdauert,  so  sollen  diese  Köche,  die
ohnedies  nicht  besonders  sauber  sind,  vom  herabträufenden  Fette
(das  Fleisch  wird  oft,  wenn  es  gar  ist,  auf  beiden  Armen  ins  Zimmer
getragen  und  auf  den  Tisch  hingeworfen)  und  von  Asche  und  Russ
fürchterlich  zugerichtet  ausschauen.  Dabei  hängt  der  Kessel  wo
möglich  an  einem  Baumaste.  Auch  in  dieser  Art  des  Kochens  durch
Männer  und  im  Freien  scheint  heidnische  Sitte  zu  spuken.
Aus  dem  Bisherigen  geht  schon  hervor,  dass  der  Litauer  sehr
abergläubisch  ist.  Und  in  der  That,  ich  würde  es  nie  geglaubt
haben  in  wie  hohem  Grade  er  es  wirklich  ist.  Sonst  ganz  gescheidtc
Männer  glauben  an  Verhexen  des  Viehs  und  nahmen  mir  meinen
Unglauben  fast  übel  auf.  Sie  hätten  ja  selbst  Zauberstücke  am
Stalle  gefunden  (Haare  mit  Fett  u.  dgl.)  und  das  Vieh  sei  wirklich
gestorben.  Man  kann  es  Leuten  anthun,  dass  sie  an  die  Wände
springen,  Monate  lang  auf  dem  Kopfe  stehen  u.  s.  w.  Um  seinem
Feinde  dergleichen  zu  bereiten,  macht  der  Litauer  wohl  weite  Reisen ­
  zu  mächtigen  Zauberern,  so  namentlich  hinüber  nach  Russland.
Hier  im  Orte  ist  ein  Zauberer,  zu  dem  die  Kranken  meilenweit  herbeikommen ­
  u.  s.  w.  Diese  Zauberer  sind  bisweilen  entschieden
Geisteskranke,  von  Visionen  heimgesuchte  Leute.  Diese  glauben
selbst  an  ihre  Macht,  andere  sind  blosse  Betrüger.  Übrigens  glaubt
der  Litauer  an  ein  Fatum,  ganz  wie  die  alten  Griechen.

')  Das  Büchlein  selbst  ist  aber  1690  schon  geschrieben.
            
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