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Prof. Schleicher,
war, wird stehend gebetet). Doch um zur Kindtaufe zurückzukehren,
bemerke ich noch, dass bei der Hinreise zur Kirche die Pathen bis
zur Grenze der Dorfflur schweigen müssen, damit das Kind ein
ruhiges, nicht schreiiges werde. Nach der Rückkehr, wird das
Kind an den Ofen oder unter die Ofenbank gelegt, oder auch sogleich
dem Vater dargereicht. Beides soll Ähnliches bewirken wie
das Schweigen der Taufpathen. Pathengeschenke sind auch bei den
Litauern üblich.
Besonders viel alte Bräuche haben sich bei den Beerdigungen
erhalten; hier dürfte einiges dem Mythologen und Sagenforscher
von Interesse sein. Sobald der Schullehrer im Leichenhause ankommt,
wird ein Licht angesteckt und auf den Tisch gestellt. Während
der ganzen Feier muss auf dem Tische ein grobes unangeschnittenes
Brot hegen, ein Teller mit Salz, eine Kanne mit Alias
oder eine oder mehrere Flaschen Branntwein dabei. Jeder Begleiter
bekommt ein Glas Alaüs und ein Stück Weissbrod (pirägas). Sobald
die Leiche zum Begraben aufgehoben wird (vorher wird ein geistliches
Lied gesungen und die Leiche von den weinenden Angehörigen
viel geküsst), wird auf der Stelle, wo sie gestanden Aliis,
Branntwein oder Wasser kreuzweise ausgegossen (hierin steckt
sicherlich ein Rest heidnischen 1 ) Brauches). Auf dem Kirchhofe, der
meist auf einer etwas höheren Stelle (ant kälno, auf dem Berge)
angelegt, mit Feldsteinen eingefasst und mit Bäumen 3 ) bepflanzt
ist, wird ein hölzernes niedriges Kreuz auf das Grab gesetzt, bei
weiblichen Verstorbenen werden die oberen zwei Winkel des Kreuzes
durch zwei Querstäbe verbunden. Der Leichenschmaus dauert ein
paar Tage. Auf solchen Schmäusen (czesrfis) entwickelt der Litauer
viel Ess- und Trinklust; die erste Nacht, das fordert der Aberglaube,
müssen wenigstens einige Gäste mit den Angehörigen bis zum hellen
läge trinkend aushalten. Viel Vieh, ja oft fast alles (bei ärmeren
Leuten) wird zu solchem Zwecke geschlachtet; nicht mit Unrecht
singt der alte Lepner in seinem „preussischen Litauer oder Vorstel-)
N'och jetzt heisst ja der Donner perküns, noch rafft die giltine die
Menschen dahin u. a. in., was gelegenheitlich der Dainos in meinem Glossar
zu besprechen sein wird.
) Die beliebtesten Bäume in den Dörfern sind Weide, Ahorn (aeer pseudoplatanus),
Birke, Esche und Eiche, an Obstbäumen fand ich nur Apfel-,
Birn- und Weichselbäume, besonders letztere halb verwildert.