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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Schleicher.

Verbalverzeichnisse  zu  den  einzelnen  Classen  der  Zeitwörter  möglichst ­
  erschöpfend  verzeichnet  werden.  An  dieser  Grammatik  arbeite
ich  bereits  rüstig;  die  vorhandenen  Grammatiken  sind  in  hohem  Grade
ungenügend,  sowohl  was  die  Anordnung,  als  was  Ausführung  und
Schreibung  anbetrifl't.  Sehr  zu  Statten  kommen  mir  hierbei  die
Arbeiten  von  Kurschat,  der  unter  Allen,  die  bisher  litauisch
schrieben  und  drucken  Hessen,  allein  die  Sprache  genau  kennt 1 ).
Seine  Schreibung  habe  ich  als  die  richtige  erkannt  und  bis  auf  einige
Puncte  angenommen,  von  denen  nur  einer  wesentlich  ist.  Ich  will
ihn  sogleich  erwähnen,  da  er  für  die  vergleichende  Sprachforschung
sehr  wichtig  ist  und  einen  schönen  Beleg  dafür  liefert,  wie  viel  auf
die  richtige  Schreibung  einer  Sprache  ankommt.  Das  Futurum  endigt
im  Litauischen  in  der  1.  Pers.  Sing,  nicht  auf  su  (wie  merkwürdiger
Weise  sogar  der  genaue  Kurschat  schreibt)  sondern  siu.  So  höre  ich
überall  deutlich  sprechen.  (Vom  Unterschiede  des  s  und  si  weiter
unten.)  Demnach  steht  ein  lit.  düsiu  einem  skr.  u.  s.  f.
aufs  Genaueste  entsprechend,  zur  Seite.  Wie  gross  war  meine
Freude  als  ich  wochenlang,  nachdem  ich  diese  Erfahrung  aus  dem
Volksmunde  verschiedener  Gegenden  gesammelt  hatte,  derselben
Schreibung  in  zamaitischen  und  alten  preussisch-litauischen  Büchern
begegnete!  Dass  bisher  so  etwas  überhört  werden  konnte,  findet
derjenige  nicht  wunderbar,  der  noch  viel  grössere  positive  Fehler  in
den  bisherigen  Grammatiken  kennt,  von  denen  übrigens  Kurschat  einen
guten  Theil  bereits  als  fehlerhaft  bezeichnet  hat  (in  seiner  Schrift
über  die  Laut-  und  Fonlehre  der  litauischen  Sprache;  Königsberg
1849).  Berühmt  ist  der  unorganische  Unterschied  des  Locat.  Plur.
im  Litauischen:  Masc.  se,  Fern,  sa  (pönu-se  v.  pönas  dominus,
ränko-sa  von  rankä  manus).  Dieser  Unterschied  aber  existirt  in
der  Sprache  selbst  gar  nicht,  stellt  sich  als  blosse  Schreiberschulmeisterei ­
  heraus;  es  heisst  pönuse  wie  ränkose  (ursprünglich
wohl  in  beiden  Fällen  =  s  a).  Auch  dies  fand  ich  in  zamaitischen
Drucken  bestätigt.  Doch  genug  von  dem,  was  in  der  Grammatik
Neues  und  Besseres  zu  bringen  ist,  alles  aufzählen,  hiesse  die  Gram-)

  Das  Wörterbuch  des  mir  lieb  und  werthen  Nesselmann  hat,  abgesehen  von
seiner  wunderlichen  Anordnung,  oft  ungenaue  Orthographie  und  keine  Accente ­
  5  zu  genauen  lautlichen  Forschungen  ist  es  nicht  wohl  zu  gebrauchen.
Andere  Bücher,  so  sämmtliche  Grammatiken,  sind  noch  fehlerhafter.
            
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