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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Tlieophanis  Chronographia.

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in  seiner  Behandlung  der  Urschrift  geltend  gemacht;  wenn  aber  von
ihm  nicht  durchgreifend  verfahren  wurde,  so  mag  bedacht  werden,
dass  den  Besorgern  der  ersten  Gesammtausgabe  der  byzantinischen
Historiker  fast  mehr  um  das  Sachverständnis  ihrer  Autoren,  als  um
die  Textverbesserung  zu  thun  war,  und  dass  auch  die  tüchtigsten
unter  jenen  Kritikern,  wie  Boivin  und  Combefis,  meist  nur  auf  Berichtigung ­
  der  auffallendsten  Mängel  ausgingen,  eine  umfassende  Reconstruirung
  der  Texte,  so  scheint  es,  einer  spätem  Zeit  überlassend. ­
  Gleichwohl  ist  aus  ihren  Arbeiten  viel  zu  lernen,  da  sie  nicht
bloss,  wie  der  Bonner  Kritiker  gethan,  die  Textverbesserung  von
den  griechischen  Handschriften  des  Originals  abhängig  machten,
sondern  zugleich  diejenigen  byzantinischen  Historiker  herbeizogen,
welche  Theophanes  epitomirte  (Procopius,  Simocatta,  Georgius
Pisida  u.  A.),  oder  von  welchen  Theophanes  epitomirt  wurde  (Leo
Grammaticus,  Cedrenus,  Constantinus  Porphyrogenitus  u.  A.).  Diese
Behandlung  der  Sache  wird,  vorsichtig  und  umfassend  unternommen,
dereinst  einen  um  vieles  richtigeren  Text  des  Theophanes,  als  selbst
der  neueste,  bewerkstelligen,  und  zugleich  den  Beweis  möglich
machen,  dass  der  grösste  Theil  der  Sprachverderbniss,  welche  diesem ­
  Schriftsteller  des  achten  und  neunten  Jahrhunderts  zur  Last  gelegt ­
  zu  werden  pflegt,  den  griechischen  Handschriften  angehören
dürfte,  deren  älteste  nicht  viel  über  fünfhundert  Jahre  zu  zählen
scheint.
Nach  den  bisher  mehr  angedeuteteri,  als  ausgeführten  Gesichtspuncten
  ist  auch  die  neue  exegetisch-kritische  Ausgabe,  von  welcher
hier  eine  Probe  der  hohen  Akademie  ehrerbietigst  vorgelegt  wird,
ausgearbeitet  worden.  Unsere  Ausgabe  hat  zwar  sämmtliche  Versuche ­
  der  Vorgänger  einer  genauen  Prüfung  unterzogen,  will  aber
als  neue  und  selbstständige  Arbeit  angesehen  werden,  da  hier  alles,
was  von  den  Früheren  gegeben  ward,  gesichtet,  und  ausser  den
bisher  bekannt  gewesenen  Handschriften,  zu  welchen  jetzt  eine  noch
unbenutzte  Münchner  kommt,  nebst  Anastasius  und  der  Historia  Miseella
  alle  obengenannten  byzantinischen  Autoren  Wort  für  Wort

*)  Dieses  Werk  ist  fast  wörtlich  aus  Anastasius  abgeschrieben  ,  enthält  aber
gleichwohl  manches  ihm  Eigene.  Es  wird  gewöhnlich  dem  Paulus  Diaconus
von  Aquileja  zugeschrieben.  Ausgaben:  von  Pithoeus.  Basil.  1569;  von  Canisius.
  Ingoist.  1603  5  von  Muratori  (Scriptt.  rer.  Italicarum.  T.  I,  parte  I).
            
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