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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  Fiedler.

kennen  vermochten  und  diese  Überzeugung  ihren  Mitbürgern  mittheilten. ­
  Der  Vicegespann  des  Thuroczer  Comitats,  Melchior  Rakovsky,
  hatte  nämlich  im  Einverständnisse  mit  dem  Gerichtstafel-Assessor
  desselben  Comitats,  Christoph  Okolicsanyi,  Schreiben  t
abgefasst  und  beide  dieselben  in  den  angrenzenden  Comitaten  verbreitet, ­
  worin  diese  aufgefordert  wurden,  sich  zur  Wahrung  des
öffentlichen  Wohles  zu  vereinigen  und  die  gemeinschaftlichen  Beschwerden ­
  gegen  das  Gouvernement  der  Häupter  der  Rebellion  in
der  Versammlung  zu  Onod  zu  produciren  J )-In
  diesen  Schreiben  haben  sich  beide  Männer  das  Todesurtheil
geschrieben.
Ihr  blutiges  Ende  hat  viele  Erzähler  gefunden.  Weil  aber  diese
immer  nur  das  auf  der  Schaubühne  der  Öffentlichkeit  abgespielte
Schreckensdrama  zum  Grunde  ihrer  Erzählung  nahmen  und  keinen
forschenden  Blick  hinter  die  Coulissen  tragen  konnten,  oder  wenn  sie
es  thaten,  selbst  einen  schön  gemalten  Vorhang  vor  dieselben  hängten;
mussten  ihre  Erzählungen  in  dem  subjectiven  Theile,  nämlich  in  der
Darstellung  des  vorsetzlichen  Antheiles,  den  die  Urheber  und  Voll-  ^
fülirer  an  der  Schuld  batten,  ungetreu  und  mangelhaft  bleiben,  wofern
sie  nicht  sogar  die  Glorification  der  in  ein  gemeines  Verbrechen  ausgearteten ­
  Leidenschaft  versuchten  2 ).
Dass  diese  Schreiben  zum  Untergange  des  Verfassers  und
Verbreiters  derselben  und  durch  diesen  zur  Hervorbringung  des
gewünschten  Eindruckes  auf  die  Versammlung  benützt  werden
sollen,  darüber  war  man  einig,  nur  über  die  Art  der  Procedur
äusserte  sich  einige  Meinungsverschiedenheit.  Räkoezy  wollte
wenigstens  durch  eine  Art  processualischen  Verfahrens  den  Schein
des  Rechtes  retten.  Bercsenyi’s  stürmischeres  Temperament  war
für  gewaltsames  Handeln.  Er  wusste  auch  seine  Ansicht  durch  Hinweisung ­
  auf  die  Unmöglichheit,  die  juridische  Verurtheilung  der
designirten  Opfer  zu  erwirken  und  durch  die  Übernahme  der  Vollstreckung ­
  des  von  ihm  vertheidigten  Verfahrens  so  siegreich  durchzuführen, ­
  dass  Räkoezy  derselben  gänzlich  beitrat.  Kurz  vor  der  ^
Erötfnung  der  Sitzungen  wurde  auch  der  General  Alexander  Karo  ly
ins  Geheimniss  gezogen,  ohne  ihm  jedoch  das  Endziel,  auf  welches

1 )  Beilage.  (Rink).  Leb.  K.  Jos.  I.,  II,  p.  342.
2 )  Hist,  des  Rev.  Tom.  V.
            
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