Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Der  blutige  Landtag  zu  Onod.

465

gegangen  waren,  ihm  ihre  warmen  Wünsche  zur  erlangten  Fürstenwürde ­
  von  Siebenbürgen  und  zur  glücklichen  Ankunft  am  Orte  der
Versammlung  darzubringen  ').
Trotz  des  Wunsches  Räkoczy’s  gleich  am  folgenden  Tage  die
öffentlichen  Sitzungen  zu  beginnen  konnte  die  erste  Senatsitzung
wegen  des  späten  Eintreffens  der  Abgeordneten  der  befreundeten
Comitate  und  Städte  erst  am  27.  Mai  gehalten  werden.  Diese  und
die  nachfolgenden  Senat-,  so  wie  die  drei  ersten  allgemeinen
Sitzungen  (31.  Mai,  1.  und  4.  Juni)  waren  den  Vorbereitungen  und
einigen  minder  wichtigen  Gegenständen  gewidmet 3 ).  In  der  vierten
öffentlichen  Sitzung  (6.  Juni)  wurde  endlich  —  früher  als  es  in
Räkoczy’s  Absicht  lag—der  kühne  Wurf  gethan,  welcher  neben
Anderem  auch  darüber  entscheiden  sollte,  ob  er  allein  den  im  vollen
Laufe  dahin  rollenden  Wagen  der  Revolution  lenken  solle  oder  sich
noch  länger  einen  unliebsamen  Hemmschuh  in  der  Gestalt  der  sogenannten ­
  Reichsversammlung  gefallen  lassen  müsse.
Wenn  das  Gewissen  eines  Revolutionsführers  bei  der  Wahl
der  Mittel  schon  an  und  für  sich  nicht  sehr  ängstlich  ist,  so
schwinden  die  Zweifel  um  so  mehr,  wenn  sich  der  willkommene
Ableiter  des  gehässigen  Theiles  einer  gewaltsamen  Massregel  finden ­
  lässt;  und  auch  der  letzte,  wenn  in  der  Person  des  vertrautesten
Freundes  und  Helfershelfers  die  volle  Rürgseliaft  des  sicheren  Vollzuges ­
  liegt.  So  kam  es,  dass  auch  diesmal  Räkoczy  vor  einem  mit
allem  Rewusstsein  verabredeten,  gemeinen  Morde  nicht  zurückschrack,
  als  die  Übernahme  des  Henkeramtes  durch  seinen  Freund
und  Generalissimus,  Grafen  Niklas  Beresenyi  im  Vereine  mit  den
drei  Illosvay  ein  sicheres  Resultat  versprach,  und  der  theatralische
Aufputz,  womit  man  die  Sache  auszustatten  beschloss,  die  Schändlichkeit ­
  des  vorbereiteten  Attentats  unter  der  Maske  des  Ausbruches
momentaner  Entrüstung  verhüllen  zu  können,  hoffen  liess.
Zu  Schlachtopfern  der  revolutionären  Justiz  wurden  zwei  Männer
auserkoren,  die  es  gewagt  hatten,  die  weitausgreifenden  Pläne
Räkoczy’s  dadurch  zu  durchkreuzen,  dass  sie  das  Reglückende  der
Administration  der  Insurrectionschefs  nicht  in  allen  Dingen  anzuer-*



’)  Kolinovicli  1.  c.  p.  345.
2 )  Kolinovich.  I.  c.  p.  346  —  348.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.