Graf Rudolf Chotek, k. k. österr. Staats- und Conferenz-Minister. 457
Tableau der künftigen Departements im Innern:
A. Justizminister.
Justizhofstelle.
B. Minister des Innern.
Politische Hofstelle.
C. Finanzminister.
Finanzhofstelle.
Commerz-, Merkantilisches-, Bankal-, Domänen-,
Catneral-Gremium.
Zur Zeit sollen fortdauern:
1. Hofcommission in Gesetzsachen.
2. Hofcommission in Studiensachen.
„Mit der hungarischen und siebenbürgischen Hofkanzlei und der
Polizeihofstelle hat keine Veränderung zu erfolgen.”
Die weiteren Fragen berührten den Wirkungskreis der einzelnen
Hofstellen, die Instructionen für die Minister und die mögliche
Vereinigung der Charge eines Präsidenten der Hofstelle und
eines Conferenzministers. Die bestehenden Verhältnisse sind dabei
in ihren Vorzügen und Gebrechen durchsproehen. Über die Studien
schrieb Chotek an den Kaiser: „Eine Reform in Studiensachen ist
eine der dringendsten Anstalten. So mancher durch den Geist der
Zeiten nothwendig gewordener Gegenstand ist in Österreich nur
durch ausländische Schriften, somit auch nur in den Gesichtspuncten
der Ausländer bekannt, z. B. positives europäisches Völkerrecht,
Seerecht etc. wird gar nicht öffentlich gelehrt. Die Gegenstände
selbst, worüber auf Universitäten und in Schulen gelesen
wird, werden auf eine Art behandelt, dass der grössere Tlieil der
studierenden Jugend einzig deswegen nicht arbeitet, sondern Hefte
lernt, um in halbjährigen Prüfungen nicht ein Stipendium zu verlieren
und um seiner Zeit zur Erlangung eines nährenden Amtes die
erforderlichen Zeugnisse zu haben. Durchaus wird nicht darauf gedacht,
die Jugend vertraut zu machen mit dem Geist jeder Wissenschaft,
mit ihrer Anwendbarkeit auf die Verhältnisse und Bedürfnisse
des künftigen Staates und Religionsdieners. Die meisten neuen Fortschritte
oder Ausartungen, auf welche die Ausländer in manchem
Zweige der Wissenschaften verfallen sind, werden von den inländischen
öffentlichen Lehrern so vernachlässigt als oh man nie irgend einer
Sitzb. il. phil.-hist. Cl. IX. Btl. III. Hft.
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